Zur Erinnerung an eine Stimme, die wie Kalaniyot blühte

Am 14. Februar 2006 verstummte eine der bedeutendsten Stimmen Israels – und doch klingt sie bis heute nach. Zwanzig Jahre später ziehen wir den Hut vor einer Frau, deren Gesang Generationen begleitet hat: Shoshana Damari.
Ihre Stimme war rauchig und warm, kraftvoll und zugleich voller Zartheit. Man nannte sie nicht ohne Grund die „Königin des hebräischen Liedes“. Sie war mehr als eine Sängerin – sie war Klang gewordene Erinnerung.
Von Dhamar nach Tel Aviv
Geboren wurde Shoshana Damari am 31. März 1923 im jemenitischen Dhamar. Als Kind kam sie mit ihrer Familie ins damalige Palästina. Früh zeigte sich ihr außergewöhnliches Talent. Bereits als Jugendliche trat sie im Radio auf – und wurde bald zu einer Stimme, die das junge Land prägte.
Ihre Lieder begleiteten Soldaten, Familienfeste, Trauerfeiern und Hoffnungen. Sie sang von Liebe, Heimat, Sehnsucht und Stärke.
Kalaniot – Wenn Lieder blühen
Untrennbar mit ihrem Namen verbunden ist das Lied „Kalaniot“.
Die Kalaniot – Anemone coronaria – sind Israels Nationalblumen. Zwischen Januar und März überziehen sie den nördlichen Negev mit einem leuchtend roten Teppich. Ihre roten Blüten mit dunklem Zentrum symbolisieren Erneuerung, Widerstandskraft und Hoffnung.
Jedes Jahr feiert das Land dieses Naturschauspiel beim „Darom Adom“-Festival – dem „Roten Süden“.
Wie passend, dass ausgerechnet dieses Lied zu ihrem Vermächtnis wurde. Während Shoshana Damari im Sterben lag, sangen Familie und Freunde „Kalaniot“ an ihrem Bett.
Blumen im Wind. Musik im Herzen.
Eine Stimme, die bleibt
Bis ins hohe Alter stand Damari auf der Bühne. Sie arbeitete mit jüngeren Künstlern zusammen, unter anderem mit dem Idan Raichel Project, und zeigte, dass Musik keine Generation kennt.
Zwanzig Jahre nach ihrem Tod ist sie noch immer präsent – in Archiven, in Playlists, in Erinnerungen.
Wie die Kalaniot blüht ihre Stimme weiter. Jedes Jahr neu.
Persönlicher Gedanke
Manche Stimmen altern nicht.
Sie verweilen wie ein Duft im Garten, wie Blüten im Wind, wie ein Lied, das man leise mitsummt, ohne zu merken, dass es längst Teil der eigenen Geschichte geworden ist.
Wir ziehen den Hut – vor einer großen Künstlerin. Vor einer starken Frau. Vor einer Stimme, die bleibt.














