Ab Montagabend und Dienstag den ganzen Tag (in Jerusalem Dienstag Abend und Mittwoch den ganzen Tag) wird in Israel und der jüdischen Diaspora Purim gefeiert.
Hier etwas Hintergrund:
Das Purimfest (von hebräisch Pur = Los) wird am 14. Adar des Jüdischen Kalenders,. Purim ist ein Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr in der persischen Diaspora erinnert. Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, hatte damals vor, die gesamten Juden im Perserreich an einem Tag zu ermorden. Königin Ester führt jedoch durch Fasten und Gebet die Rettung herbei.
In der Synagoge wird aus diesem Anlass gefeiert, wobei es meist nicht übermäßig ernst zugeht; der ganze Ablauf zielt auf Freude. Dabei wird auch die Festrolle des Buches Ester vorgelesen.
Vorlesen der Esther-Rolle
Immer wenn der Name Haman fällt, wird von den Anwesenden Tuten, Rasseln und Ratschen so viel Lärm wie möglich gemacht. Dies beruht auf dem religiösen Befehl den Namen Amaleks, Hamans Vorfahr, zu löschen, nachdem Amalek Israel auf dem Weg zum Gelobten Land behindert hat. Sein Name wurde damit zum Symbol der Judenfeindschaft.
Traditionen
Weitere Traditionen sind die Verkleidung, Almosen geben sowie so viel Alkohol zu trinken bis "Adladya", d.h. bis man nicht mehr unterscheiden kann zwischen den Guten und den Bösen der Geschichte.
In religiösen Gegenden gibt es zudem einen "Purim-Tisch", wo der chassidische Rabbi mit seinem Gefolge singt und tanzt - es geht rund!
Wie das ganze dieses Jahr ausschaut? Das hängt vom Krieg ab. Mehr evtl auf unserer Facebook-Seite.
Es war einmal ein Dachboden. Und auf diesen Dachboden lag eine unbenutzte Klarinette...
So fängt die unglaubliche Geschichte eines der talentiertesten Musiker unserer Zeit an: Chilik Frank, ein chassidischer Jeschiwebocher aus Bnei-Brak, findet im Alter von 16 besagte Klarinette am Dachboden seiner Eltern, und fängt an, mit dem Instrument herum zu experimentieren. Stundenlang. Es ist Liebe auf den ersten Blick!
Seine Eltern, die in ihm eher einen Rabbiner als einen Musiker sehen, stimmen zu, dass er Privatstunden nimmt - und in sehr kurzer Zeit spricht es sich in ganz Bnei-Brak, später ganz Israel herum, dass ein junger Mann die Klarinette wie sonst kaum jemand spielt!
Frank tritt daraufhin bei Feierlichkeiten auf (Bar-Mitzwot, Hochzeiten usw.), und fängt bald an, eigene Konzerte zu geben und Alben zu produzieren, vor allem traditionelle jüdische Lieder und Klezmer. Das war in den 1990er...
Inzwischen hat Chilik Frank seine eigene Band, und ist auch ausserhalb der Grenzen Israels sehr beliebt: So erhielt er 2011 den 1. Preis beim renommierten Jüdische Musik Festival in Amsterdam...
Und so erfreut Frank die Welt mit chassidischer Musik und Klezmer, und der Klarinette, der er die schönsten Töne entlockt.
Text: Rosebud
Foto: Public Domain
Mehr zu Chilik Frank, einschliesslich Videos gibt es auf unserer Facebook-Seite
Zur Erinnerung an eine Stimme, die wie Kalaniyot blühte
Am 14. Februar 2006 verstummte eine der bedeutendsten Stimmen Israels – und doch klingt sie bis heute nach. Zwanzig Jahre später ziehen wir den Hut vor einer Frau, deren Gesang Generationen begleitet hat: Shoshana Damari.
Ihre Stimme war rauchig und warm, kraftvoll und zugleich voller Zartheit. Man nannte sie nicht ohne Grund die „Königin des hebräischen Liedes“. Sie war mehr als eine Sängerin – sie war Klang gewordene Erinnerung.
Von Dhamar nach Tel Aviv
Geboren wurde Shoshana Damari am 31. März 1923 im jemenitischen Dhamar. Als Kind kam sie mit ihrer Familie ins damalige Palästina. Früh zeigte sich ihr außergewöhnliches Talent. Bereits als Jugendliche trat sie im Radio auf – und wurde bald zu einer Stimme, die das junge Land prägte.
Ihre Lieder begleiteten Soldaten, Familienfeste, Trauerfeiern und Hoffnungen. Sie sang von Liebe, Heimat, Sehnsucht und Stärke.
Kalaniot – Wenn Lieder blühen
Untrennbar mit ihrem Namen verbunden ist das Lied „Kalaniot“.
Die Kalaniot – Anemone coronaria – sind Israels Nationalblumen. Zwischen Januar und März überziehen sie den nördlichen Negev mit einem leuchtend roten Teppich. Ihre roten Blüten mit dunklem Zentrum symbolisieren Erneuerung, Widerstandskraft und Hoffnung.
Jedes Jahr feiert das Land dieses Naturschauspiel beim „Darom Adom“-Festival – dem „Roten Süden“.
Wie passend, dass ausgerechnet dieses Lied zu ihrem Vermächtnis wurde. Während Shoshana Damari im Sterben lag, sangen Familie und Freunde „Kalaniot“ an ihrem Bett.
Blumen im Wind. Musik im Herzen.
Eine Stimme, die bleibt
Bis ins hohe Alter stand Damari auf der Bühne. Sie arbeitete mit jüngeren Künstlern zusammen, unter anderem mit dem Idan Raichel Project, und zeigte, dass Musik keine Generation kennt.
Zwanzig Jahre nach ihrem Tod ist sie noch immer präsent – in Archiven, in Playlists, in Erinnerungen.
Wie die Kalaniot blüht ihre Stimme weiter. Jedes Jahr neu.
Persönlicher Gedanke
Manche Stimmen altern nicht. Sie verweilen wie ein Duft im Garten, wie Blüten im Wind, wie ein Lied, das man leise mitsummt, ohne zu merken, dass es längst Teil der eigenen Geschichte geworden ist.
Wir ziehen den Hut – vor einer großen Künstlerin. Vor einer starken Frau. Vor einer Stimme, die bleibt.
Tel Aviv, Allenby Street. Zwischen hupenden Bussen, schattigen Straßencafés und dem ewigen Kommen und Gehen der Stadt erhebt sich ein Bauwerk, das leise von Geschichte erzählt: die Große Synagoge an der Allenby‑Straße. Im Jahr 2025 blickt sie auf 100 Jahre Geschichte zurück – ein Jahrhundert voller Wandel, Hoffnung und Erinnerung.
Ein Traum aus den 1920er‑Jahren
Als Tel Aviv noch jung war, entstand der Wunsch nach einem repräsentativen geistlichen Zentrum. 1922 entwarf der Architekt Yehuda Magidovitch die Große Synagoge. Der Bau kam jedoch nur schleppend voran – erst die finanzielle Unterstützung von Baron Edmond de Rothschild machte die Fertigstellung möglich. 1926 war das Gebäude vollendet, 1930 wurde es feierlich eingeweiht. Die Synagoge wurde schnell zu einem Mittelpunkt religiösen und gesellschaftlichen Lebens.
Licht, Glas und Erinnerung
Besonders eindrucksvoll ist der Innenraum: eine hohe Kuppel, weite Hallen und die berühmten Buntglasfenster, die an zerstörte Synagogen Europas erinnern. Wenn das Sonnenlicht durch das Glas fällt, scheint die Vergangenheit für einen Moment greifbar nah. Diese Fenster sind stille Mahnmale – und zugleich Symbole des Weiterlebens.
Wandel der Stadt, Wandel der Synagoge
In den 1960er‑Jahren veränderte sich das Viertel rund um die Allenby‑Straße stark. Viele Gemeindemitglieder zogen weg, die Synagoge verlor an Bedeutung als alltäglicher Gebetsort. 1970 wurde sie umfassend renoviert und erhielt ihre heutige, markante Fassade mit Bögen und modernen Elementen. Seitdem steht sie nicht nur für religiöse Kontinuität, sondern auch für architektonischen Wandel.
Bewahren für die Zukunft
Heute ist die Große Synagoge Teil umfangreicher Restaurierungs‑ und Erhaltungsprojekte. Ziel ist es, sie als historischen Ort, kulturelles Erbe und lebendigen Bestandteil der Stadt neu zu positionieren. Ein Ort der Stille – mitten im urbanen Puls.
Ein persönlicher Gedanke
Vielleicht geht man an ihr vorbei, ohne stehen zu bleiben. Vielleicht betritt man sie nur für einen kurzen Moment. Doch wer innehält, spürt: Diese Mauern haben vieles gesehen. Und sie erzählen weiter – leise, würdevoll, seit nunmehr 100 Jahren.
Heute ist es soweit - es wird TubiSchwat gefeiert, das Neujahrsfest der Bäume!
Das Fest hat seinen Ursprung Anfang bereits im ersten Jahrhunder der modernen Zeitrechnung: Das Haus Hillels, eines der renommiertesten jüdischen Denker aller Zeiten hat es als "Neujahrsfest der Bäume" festgelegt. Der Grund ist, dass damit das Ende der Regenszeit und der Beginn der Einpflanzzeit in der Landwirtschaft eingeleitet wird. TubiSchwat heisst "15. des Monats Schwat", und da Schwat, wie alle Monate des jüdischen Jahres, ein Mondmonat ist, ist am Vorabend (also heute nacht), Vollmond. Nachdem der Vollmond die Nacht erleuchtet hat, geht die Sonne vor wahrhaft blühenden Landschaften aus, insbesonders jetzt, nach dem starken Regenfall in Israel letzter Woche.
Es gibt dann einige Bräuche, die meist landwirtschaftlichen Ursprungs haben: So pflanzt man Bäume und Pflanzen (nach einiger Tradition 15, da es ja der 15. des Monats ist), isst Fruchtsalat und Obst, und vor allem isst man eine Frucht, die man das ganze jüdische Jahr noch nicht gegessen hat. Darauf gibt es dann einen ganz besonderen Segensspruch.
Eine weitere Tradition ist es, einen "Frucht-Sederabend" zu haben, wo die Familie - dem Pessachfest anlehnend - am Tisch sitzt, und in gemütlicher Runde Früchte und Gemüse der Saison einnimmt.
Na denn: Fröhliches Neujahrsfest der Bäume! Bild und Text: Rosebud
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Was passt besser zu Israel, dem Land, wo Milch und Honig fließt, als eine Speise, die genau aus diesem Elementen entstand: Die Rede ist von Knafe, einer himmlischen Nachspeise aus Ziegenkäse und Honig.
Der Ursprung dieser Spezialität, die einem im Mund wie Butter zerfließt, und deren perfekte Balance von süßem Honig und saurem Käse wohl im Magen tut, ist aus der biblischen Stadt Nablus, auch als Schechem bekannt. Dort, in der bereits 72 CE vom römischen Kaiser Vespasian als "Flavia Neapolis" gegründeten Stadt gab es seit jeher Ziegen zuhauf - und auch Bienen, die nicht selten die römischen Soldaten stachen. Doch diese beiden Unannehmlichkeiten zeigten sich bald als wahrer Segen: Denn sie belieferten die ganze Region mit köstlicher Milch, Käse und mit Honig.
Bald verbreitete sich die Nachricht der Rohstoffe, und des Produktes, das beide kombiniert - Knafe eben - in der ganzen Region. Und bis heute weiß der Nahe Osten, dass Nablus und Knafe in einem Atemzuge genannt werden muss. Inzwischen weiss das auch das Guiness Weltrekordbuch: Dort steht Nablus als der Rekordhalter der größten Knafe weltweit: 75 x 2 Meter. Gewicht: 1350 Kilos.
Nicht nur dort aber ist es beliebt: In fast jeder Stadt Israels gibt es heute vorzügliche Knafe, sowohl in den Märkten der großen Städte (Haifa, Jerusalem, Tel-Aviv) als auch in Restaurants jeder Preisklasse und Größe. Innerhalb Israels ist die beste Knafe wohl in der Altstadt Jerusalems zu suchen - dort kann man sich auch sicher sein, dass in der Tat Ziegenkäse benutzt wurde, und nicht mit einfachem Kuhkäse gemogelt wurde...
In der Zwischenzeit gibt es im ganzen Nahen Osten Varianten von Knafe - vom Libanon bis Ägypten über Syrien hat fast jeder Ort sein Knafe.
Aber genug der Wort: Knafe muss man auf der Zunge zergehen lassen. Guten Appetit.
Ganz im Süden Israels, in der Mitte der Negev-Wüste, taucht man in eine ganz andere Welt ein: Das Meer ist weit weg, grün sieht man hier nirgends, und man sieht nur Sand, soweit das Auge reicht...
Aber nicht nur die Landschaft ist anders: Steigt man in Beer Sheva von der Zugstation aus, kann man evtl. denken, dass man in Saudiarabien gelandet ist - die Frauen tragen lange, schwarze Schleier, die alles verdecken, einschließlich das Gesicht (nur eine kleine Rille für die Augen bleibt). Die Männer haben lange Bärte und Turbane sowie Wüstengewänder. Das sind Beduinen, die auch heute noch, im 21. Jahrhundert, in Zelten wohnen und den jahrtausend alten Lebensstil des Wüstenvolkes leben.
Nur wenige Meter entfernt ist Beer Sheva, eine hochmoderne Stadt mit Kinos, Cafés, einer Universität auf Weltniveau, Top-Infrastruktur und ein Nachtleben, das mit Tel Aviv konkurrieren kann. Ramat Hovav
Heute geht es aber weder nach Beer Sheva noch zu den Beduinen, sondern in die Stadt ohne Einwohner: Ramat Hovav.
Ramat Hovav, 13km südlich von Beer Sheva, ist nämlich eine reine Industriestadt: Von Pestiziden bis zu Dünger wird hier alles produziert, in einer Stadt, die eine Industriezone hat, die Tausenden Arbeit gibt, und die sogar eine Stadtverwaltung hat - aber keine Einwohner.Für die Stadtverwaltung ist das natürlich ein wunderbares Arrangement: sie muss weder Fernsehkabel auslegen noch Müll abholen noch Wasserrohre verwalten. Für die Industriellen ist das auch ein gutes System: Sie können sich auf ihre Angelegenheiten konzentrieren und produzieren ohne Beschwerden von den Anwohnern zu bekommen - denn es gibt keine.
Und alle Arbeiter gehen am Ende der Arbeit nach Hause und lassen die Fabriken in der Wüste zurück. Wenn sich die Sonne über Ramat Hovav senkt, kehrt Ruhe in die Wüste ein, die nur von einem leisen Sandsturm und dem Jaulen des Kojoten unterbrechen wird. Silencio.