Das Wort "legendär" wird zu oft benutzt, aber auf "Izik und Ruti" trifft es auf jeden Fall zu.
Rosenduft: wohlriechendes und bemerkenswertes , (h)eilige und un(h)eilige Gedanken aus dem heiligen Land
Das Wort "legendär" wird zu oft benutzt, aber auf "Izik und Ruti" trifft es auf jeden Fall zu.
Tel Aviv ist eine Stadt, die selten stehen bleibt – und wenn sie doch einmal anhalten muss, fängt sie oft erst recht an zu tanzen. In diesen Monaten verlagert sich das Leben immer wieder ein paar Etagen tiefer: in Schutzräume, Bunker und Parkhäuser, die plötzlich zu Wohnzimmern, Spielplätzen und Festhallen werden.
Hochzeit in der Parkgarage (Foto: Dana Reany)Neulich las ich von einem Hochzeitspaar, das seine Chuppa kurzerhand auf Ebene -4 des Parkhauses im Dizengoff Center aufgestellt hat. Wo sonst hupende Autos kreisen, hingen Lichterketten zwischen Betonpfeilern, und jemand hatte es tatsächlich geschafft, weiße Tischdecken über die Klappbänke zu breiten. Statt glamourösem Ballsaal: fluoreszierendes Neonlicht, gelbe Markierungen auf dem Boden – und mittendrin ein Brautkleid, das in all dem Grau fast überirdisch leuchtete.
Auf den Fotos sieht man, wie die Gäste an den Wänden lehnen, manche immer noch mit Handy in der Hand, bereit für die nächste Warnmeldung. Und dann, zwischen all dem Pragmatismus, passiert dieser zarte, unverschiebbare Moment: zwei Menschen sagen „Ja“, während irgendwo über ihnen die Stadt die Luft anhält. Vielleicht ist es kein Zufall, dass Hochzeiten hier öfter als anderswo nicht nach Perfektion, sondern nach Hartnäckigkeit duften.
Wenn man sich alte Fotos von Tel Aviv anschaut, merkt man, dass diese Stadt schon immer ein bisschen trotzig war. Auf einer Aufnahme aus den 1930er Jahren fährt eine Straßenbahn über die Allenby-Straße, flankiert von niedrigen Häusern und staubigen Bäumen – alles wirkt leichter, langsamer und irgendwie neugierig auf das, was noch kommen mag. Heute rauschen Busse und E-Scooter denselben Boulevard entlang, Cafés quellen über, und irgendwann biegt man fast automatisch Richtung Dizengoff ab.
Wer damals, in den 1930ern, diese Fotos gemacht hat, konnte nicht ahnen, dass sich wenige Gehminuten entfernt einmal ein Einkaufszentrum erheben würde, dessen Tiefgarage Jahrzehnte später zur Hochzeitslocation der Schlagzeilen wird. Und doch verbindet beides dieselbe Tel-Aviv-Eigenschaft: die Angewohnheit, aus Provisorien Geschichten zu machen, die man noch seinen Enkeln weitererzählen kann.
Es gibt Abende, da gehe ich durch die Stadt, und der Kontrast ist fast zu groß, um ihn in einem einzigen Spaziergang unterzubringen. Oben: Jasminhecken, Bougainvillea, der Duft von frisch gemahlenem Kaffee, eine Katze, die sich demonstrativ mitten auf den Weg legt. Unten: Betonpfeiler, Metalltüren, stapelbare Plastikstühle, Sirenengeheul, das man irgendwann an der Tonhöhe erkennt.
Vielleicht ist es genau dieser Wechsel zwischen Blumentopf und Betonwand, der hier eine besondere Art von Hoffnung wachsen lässt. Wer gelernt hat, in Parkhäusern zu tanzen und in Schutzräumen zu feiern, verliert nicht so schnell die Fähigkeit, in kleinen Dingen etwas Großes zu sehen. Eine Hochzeit im Parkhaus ist dann nicht nur ein Notfallplan, sondern ein Statement: Das Leben macht keine Pause – also machen wir auch keine.
Rosenduft im klassischen Sinn ist in Tel Aviv manchmal Mangelware; zu viel Abgas, zu viel Meerwind, zu viel Beton. Aber es gibt einen anderen Duft, schwer zu beschreiben, der aus diesen Nächten im Untergrund aufsteigt: eine Mischung aus frisch gebrühtem Kaffee, Hummus in Plastikschalen, Babypuder, kaltem Beton und warmem Lachen. Vielleicht ist es genau das, was dieses Land so eigentümlich liebenswert macht: die Kunst, den Alltag nicht zu verschönern, sondern ihn mitten im Provisorium zum Blühen zu bringen.
Wenn irgendwann jemand die Archive von morgen durchstöbert, wird er vielleicht auf drei Arten von Bildern stoßen: alte Schwarzweiß-Fotografien der Allenby-Straße, farbige Handyvideos von Bunker-Partys und ein vergilbtes Foto von einem Brautpaar zwischen Parkhausmarkierungen. Und wer weiß – vielleicht wird er denken: „Das war verrückt.“ Und vielleicht auch: „Das war lebendig.“
Text: RosebudFotos: Public Domain
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Es war einmal ein Dachboden. Und auf diesen Dachboden lag eine unbenutzte Klarinette...
So fängt die unglaubliche Geschichte eines der talentiertesten Musiker unserer Zeit an: Chilik Frank, ein chassidischer Jeschiwebocher aus Bnei-Brak, findet im Alter von 16 besagte Klarinette am Dachboden seiner Eltern, und fängt an, mit dem Instrument herum zu experimentieren. Stundenlang. Es ist Liebe auf den ersten Blick!
Seine Eltern, die in ihm eher einen Rabbiner als einen Musiker sehen, stimmen zu, dass er Privatstunden nimmt - und in sehr kurzer Zeit spricht es sich in ganz Bnei-Brak, später ganz Israel herum, dass ein junger Mann die Klarinette wie sonst kaum jemand spielt!
Frank tritt daraufhin bei Feierlichkeiten auf (Bar-Mitzwot, Hochzeiten usw.), und fängt bald an, eigene Konzerte zu geben und Alben zu produzieren, vor allem traditionelle jüdische Lieder und Klezmer. Das war in den 1990er...
Inzwischen hat Chilik Frank seine eigene Band, und ist auch ausserhalb der Grenzen Israels sehr beliebt: So erhielt er 2011 den 1. Preis beim renommierten Jüdische Musik Festival in Amsterdam...
Und so erfreut Frank die Welt mit chassidischer Musik und Klezmer, und der Klarinette, der er die schönsten Töne entlockt.
Text: Rosebud
Foto: Public Domain

Am 14. Februar 2006 verstummte eine der bedeutendsten Stimmen Israels – und doch klingt sie bis heute nach. Zwanzig Jahre später ziehen wir den Hut vor einer Frau, deren Gesang Generationen begleitet hat: Shoshana Damari.
Ihre Stimme war rauchig und warm, kraftvoll und zugleich voller Zartheit. Man nannte sie nicht ohne Grund die „Königin des hebräischen Liedes“. Sie war mehr als eine Sängerin – sie war Klang gewordene Erinnerung.
Geboren wurde Shoshana Damari am 31. März 1923 im jemenitischen Dhamar. Als Kind kam sie mit ihrer Familie ins damalige Palästina. Früh zeigte sich ihr außergewöhnliches Talent. Bereits als Jugendliche trat sie im Radio auf – und wurde bald zu einer Stimme, die das junge Land prägte.
Ihre Lieder begleiteten Soldaten, Familienfeste, Trauerfeiern und Hoffnungen. Sie sang von Liebe, Heimat, Sehnsucht und Stärke.
Untrennbar mit ihrem Namen verbunden ist das Lied „Kalaniot“.
Die Kalaniot – Anemone coronaria – sind Israels Nationalblumen. Zwischen Januar und März überziehen sie den nördlichen Negev mit einem leuchtend roten Teppich. Ihre roten Blüten mit dunklem Zentrum symbolisieren Erneuerung, Widerstandskraft und Hoffnung.
Jedes Jahr feiert das Land dieses Naturschauspiel beim „Darom Adom“-Festival – dem „Roten Süden“.
Wie passend, dass ausgerechnet dieses Lied zu ihrem Vermächtnis wurde. Während Shoshana Damari im Sterben lag, sangen Familie und Freunde „Kalaniot“ an ihrem Bett.
Blumen im Wind. Musik im Herzen.
Bis ins hohe Alter stand Damari auf der Bühne. Sie arbeitete mit jüngeren Künstlern zusammen, unter anderem mit dem Idan Raichel Project, und zeigte, dass Musik keine Generation kennt.
Zwanzig Jahre nach ihrem Tod ist sie noch immer präsent – in Archiven, in Playlists, in Erinnerungen.
Wie die Kalaniot blüht ihre Stimme weiter. Jedes Jahr neu.
Manche Stimmen altern nicht.
Sie verweilen wie ein Duft im Garten, wie Blüten im Wind, wie ein Lied, das man leise mitsummt, ohne zu merken, dass es längst Teil der eigenen Geschichte geworden ist.
Wir ziehen den Hut – vor einer großen Künstlerin. Vor einer starken Frau. Vor einer Stimme, die bleibt.


