Sonntag, 25. August 2019

Doktor Schakschuka - vom Gefängnis zum Starkoch

  

                                                        Bino Gabso, "Dr. Schakschuka"

Jeder in Israel weiss, was Schakshuka ist (siehe Bild oben), und kennt "Dr. Schakshuka" als eines der besten Restaurants in Jaffa. Allerdings wissen nicht alle, wer sich hinter dem Namen "Dr. 
Schakschuka " versteckt, und wie die Idee entstanden ist. Dies ist die unglaubliche, aber wahre Geschichte:

Dr. Schakshuka heisst eigentlich Josef Benjamin "Bino" Gabso, und wurde 1952 als Sohn lybischer Eltern in Jaffa geboren. Sein Vater öffnete dort ein Restaurant namens Tripoli, allerdings war die Haupteinnahmequelle der Familie Währungstausch, damals noch illegal in Israel.
Bino half von klein auf seinen Eltern, vor allem beim Währungstausch - und immer, wenn er mit Gewinn Geld tauschen konnte, kochte sein Vater Shakshuka für ihn.

Das ging so weiter, auch als Bino bereits ein Erwachsener war, auch nach dem Armeedienst. Bis - ja, bis er in den 80er Jahren inflagranti erwischt wurde - und verhaftet wurde.

Die Zeit im Gefängnis war die Geburtsstunde von Dr. Schakschuka: So wie er es von seinem Vater gelernt hatte, kochte er für die Mitinsassen, die hungrig auf das Schakschuka warteten, dass er immer kochte - dabei bekam er Eier und Tomaten von den Wärtern (auch die wollten auf das inzwischen berühmt gewordene Shakshuka nicht verzichten) und das Gewürz "filfil huma" - ohne das in der lybischen Küche gar nichts geht - von seiner Tochter. Seine Kochkünste ernteten ihn den Spitznamen "Dr. Schakshcuka"...

15 Monate Haft später war Dr. Schakschuka bereit, sein erstes Restaurant in Jaffa zu eröffnen - and the rest is history, wie man so sagt: Selbst heute, 30 Jahre später, steht man bei "Dr. 
Schakschuka " oft stundenlang Schlange (vor allem am Freitag), es gibt bereits weitere Zweigstellen, und Bino hat auch schon andere Restaurants eröffnet (wo es nicht, oder nicht nur Shakshuka gibt)

Für seine fünf Kinder und zwölf Enkel heisst er aber nur Bino - und gekocht wird, auch das 
Schakschuka - nur zu hause...

Bild: Public Domain
Text: Rosebud

Mehr zu Dr. Shakshuka - und anderen Themen - gibt es auf unserer Facebook-Seite 

Donnerstag, 15. August 2019

FRÖHLICHES JÜDISCHES FEST DER LIEBE!



                                            Die Herzen schlagen höher: Tu be Aw


Ab heute abend (und bis Freitagabend) ist Tu be Aw, das jüdische Fest der Liebe


                                            Vollmond

Was passierte an Tu be Aw?

Die Rabbinen datierten mehrere Ereignisse auf den 15. Aw (=Tu be Aw). Zu diesen gehört die Begnadigung der letzten Mitglieder der Wüstengemeinschaft, welche an der Sünde der Kundschafter beteiligt waren. Das 4. Buch Mose schildert, dass Kundschafter ausgesandt wurden, welche prüfen sollten, ob die Inbesitznahme des damaligen Landes Kanaan möglich sei. Die meisten Kundschafter schilderten das Land als nicht einnehmbar und das Volk glaubte ihnen. Zur Strafe für ihren Kleinmut sollte die Generation, welche zu dieser Zeit lebte, nicht das Gelobte Land erreichen. Die nach 40 Jahren noch lebenden Zweifler spürten an einem 15. Aw, dass sie begnadigt waren.

Des Weiteren erfolgte zu biblischen Zeiten jeweils an einem 15. Aw die Aufhebung zweier Heiratsverbote: Die 12 Stämme Israels durften ab da nicht nur innerhalb jedes Stammes, sondern auch untereinander heiraten. Und auch durfte der bisher ausgeschlossene Stamm Benjamin ab da heiraten.

Wie wird Tu be Aw gefeiert?

Traditionell finden an diesem Tag viele Hochzeiten statt. Und unverheiratete gehen an diesem Tag auf Braut- bzw. Bräutigamssuche. Dabei ziehen sich die Frauen weiß an (wie eine Braut) - jedoch wird vorgeschlagen, dass es keine neuen Kleider sind, so dass die Ärmeren nicht neidisch werden.

                                                     Weiß - auch bei Männer attracktiv.



Hier ein paar Eindrücke einer Tu be Av der kürzlichen Vergangenheit:

Kikar Dizengoff - ganz im Zeichen der Liebe
                                               
                                              Es wurde GESWINGT!






                                           Traditionelles Charleston-Outfit





Na denn: FRÖHLICHES FEST DER LIEBE!


 
 
Bilder und Text: Rosebud

Donnerstag, 8. August 2019

Andromeda - von griechischen Mythos zu israelischer Luxuswohngegend


                                                         Andromeda im Mythos...
 
...und in seiner modernen Form, als Luxuswohngegend in Jaffa:





Griechische Mythologie:
 
Um die Arroganz ihrer Mutter zu strafen, die die Tochter, Andromeda, für schöner als die Nereiden hält, schickt Poseidon ein Seeungeheuer und eine Flut. Um das Land von dieser Plage zu befreien, wird Andromeda nach dem Spruch eines Orakels an einen Felsen am Meer geschmiedet, um dem Ungeheuer geopftert zu werden. Perseus befreit Andromeda und heiratet sie - sie gebiert ihm viele Kinder, u.a. Perses, der Stammvater der Perserkönige. Auch ist sie eine Vorfahrin von Herkules...

Israelische Realität

Beim Hafen von Jaffa wird Andromeda, die Luxuswohngegend, nach dem Spruch eines Orakels (von Inmobilienentwickler) an einen Felsen am Meer geschmiedet.
                                           Aussicht aus eine der Wohnungen

Die Miet- und Kaufpreise sind horrend, die Architektur und Lage erinnert an Toskana - und sowohl die Nähe zum Meer, als auch der Cocktail beim Swimming-Pool der Anlage lassen die Herzen höher schlagen
                                            Swimming-Pool der Anlage

Auch die Mütter und Väter des modernen Andromedas halten sie schöner als die Nereiden - und die Kritiker der Anlage - die, die "Old Yafo" nostalgisch und altbacken lassen wollen - finden, dass es die Anlage selbst ist, die das Monster ist.

Und während die Bewohner sich im Paradies fühlen, warten die Nachbarn auf Perseus, der sie rettet.

Bilder und Text: Rosebud
Nachbildung des Andromeda-Gemälde: Public Domain 

Montag, 5. August 2019

Die Ersten von Zion

 
                                                      Geschichte und Fortschritt: Rishon

Rishon LeZion (die Ersten von Zion), von seinen Bewohnern auch liebevoll "Rishon" oder nach der hebräischen Abkürzung "RashLaZ" genannt, hat eine reiche und eindrucksvolle Tradition - aber auch eine nicht weniger imposante Stellung in der Moderne - sie waren die Ersten, und sind in vielen Bereichen immer noch die Ersten...

Der Name der Stadt leitet sich vom biblischen Vers "Als Erster verkündige ich Zion (...) und Jerusalem widme ich einen Freudenboten" (Jessaja 41:27) ab.

Viel gab es 1882, als die Stadt von osteuropäischen Einwanderern gegründet wurde, jedoch nicht zu frohlocken - ausser Sanddünen und Wüstenwind gab es hier nichts, nicht einmal Wasser. Und so arbeiteten die ersten Siedler im Schweisse ihres Angesichts, die Wüste zum Leben zu erwecken...

Das Glück sollte sich jedoch bald zum Guten ändern, aufgrund zweier Entwicklungen: Zum ersten wurde eine Wasserquelle gefunden, und zum zweiten entschloss sich der Baron Edmond de Rothschild 1887, hier einen Weinkeller aufzumachen, den ersten im modernen Israel - es war der Anfang des Carmel-Weins, den es bis heute noch gibt, und der nichts von seinen Ruf verloren hat...

                                                         Wasserquelle

                                              HaRishonim-Park - hier stand der Weinkeller


Damals zählte die Bevolkerung knapp 400 (im Vergleich: heute sind es 250.000), und nahm in vielen Bereichen Pionierstellung ein: So war der spätere erste Premierminister Israels, David Ben-Gurion, Vorsitzender der Weingewerkschaft. Der Pionier des modernen Hebräischen, Eliezer Ben-Yehuda, unterrichtete hier, in der ersten Hebräisch-sprechenden Schule, noch vor der Staatsgründung. Und auch die Synagoge war einer der ersten und imposanten der modernen jüdischen Gemeinde in Israel vor der Staatsgründung:
                                       Synagoge, 1890 gegründet, neben der ersten Hebr. Schule

Und heute? Rishon wächst aufgrund seiner Meeresnähe, den verhältnismässigen günstigen Häuserpreisen, seiner idealen Lage zwischen Tel Aviv und Jerusalem, und vor allem seinem reichhaltigem Angebot an Kultur und Freizeit, sowie der zahlreichen Arbeitsmoglichkeiten, ständig. Von den Sanddünen der Vergangenheit sieht man wenig - stattdessen wird ein Hochhaus nach dem nächsten gebaut, ein Riesen-Kino-Complex ("Cinema City") läuft bereits, IKEA gibt es auch - aber auch die alte Kultur gibt es noch - so hat RashLaZ ein Symphonieorchester mit Weltruhm, und eine Altstadt - den Rothschild-Boulevard, bennant nach dem Weinkellergründer - wo man sich die Geschichte des alten Rishons in einer wunderschonen Fussgängerzone passieren lassen kann, während man sich auch vom neuen Rishon beeindrucken lassen kann.

Zum Abschluss zwei Bilder vom Rothschild-Boulevard, und ein Bild des alten Shuks (Gemüsemarkts), der seit der Staatsgründung exitstiert, und bis heute noch frequentiert wird:

                                              Rothschild-Boulevard

                                            Altes Rathaus


Der Gemüsemarkt


Kurzum: Rishon LeZion - die Ersten von Zion, immer noch die Ersten

Bilder und Text: Rosebud

Mehr Bilder von Rishon gibt es auf der Facebook-Seite

Dienstag, 23. Juli 2019

HaPoel Katamon - Jerusalemer Fussballmannschaft der ganz besonderen Art

 
                                            Rot: Hapoel Katamon, Teddy-Stadium, Jerusalem

Vor ein paar Jahren konnte man in Jerusalem ein wohl weltweit einzigartiges Phänomen beobachten: Auf beiden Tribünen des Teddy-Fussballstadiums sah man Fans, die in rot eingehüllt waren, deren Mannschaft "HaPoel Jerusalem" hieß und die die gleichen Slogans riefen - sich aber gegenseitig angifteten.
                                              Hapoel Jerusalem gegen - Hapoel Katamon Jerusalem
                                            Auf dem weissen Plakat steht: Katamon = Beitar
Was war passiert?

Vor 12 Jahren, als es nur zwei Teams in Jerusalem gab (Erstliga-Beitar und Zweitliga-HaPoel), gab es Unmut der Fans von Hapoel Jerusalem wegen des Managements. Und so setzten sich einige der Fans zusammen, und hatten eine radikale Idee, etwas, was es in Israel noch nie gab: Sie entschlossen sich, das Team zu kaufen, und von nun an in einem Kooperativ Besitzer von HaPoel zu werden.

Gesagt, getan. Teil der Spieler gingen begeistert zum neuen "HaPoel" herüber. Andere Spieler jedoch wollten lieber bei einem Team mit einer traditionellen Struktur bleiben. Und so fügten die Neuen dem Team das Wort "Katamon" hinzu - das ist die Nachbarschaft Jerusalems, wo früher das Stadium stand, eine Arbeitergegend, von der auch viele der Fans kommen.

"HaPoel Jerusalem Katamon" entwickelte sich stetig weiter, die Fanbasis - oder sollte man sagen "Besitzerbasis" - vergrößerte sich, wohl auch aufgrund der Tatsache, dass es ein Team ist, dessen Spieler aus der gleichen Gegend wie die Fans kommen, und das heisst auch Vielseitigkeit: Es gibt arabische Spieler, russische Spieler, sephardische und ashkenazische. Und da das Team nicht am Shabbat spielt, zog und zieht es auch viele religiöse Fans an.
Aber auch fussballerisch tat sich einiges:

HaPoel Katamon kam, sah - und siegte, und das durchgehend: Sie sind bereits schon zweimal in die höhere Liga gekommen, und bereits in der zweiten Liga...

Und alle rufen: Jalla HaPoel!

Mehr zur Geschichte von HaPoel Katamon, einschliesslich einem Video gibt es auf unserer Facebook-Seite

Bilder und Text: Rosebud

Montag, 15. Juli 2019

Kibbutz Dafna - immer ein Besuch wert

 







Ganz im Norden Israels, in der Chulaebene, nah an der Grenze zum Libanon, liegt ein kleines Paradies: Es ist das Kibbutz Dafna. Genau am Punkt, wo Galiläa zuende geht und die Golanhöhen anfangen, am Fadenkreuz auch der Zugvögel ist diese Oase, durch die der Dan-Fluß gleich drei mal fließt, und wo es von grüner Schönheit nur trotzt.

Gegründet wurde das Kibbutz 1939, von Einwanderern aus Lithauen und Polen. Damals war die Situation schwierig, und Dafna lag wahrhaftig auf der Schußlinie - so wird angenommen, dass es nicht zuletzt dem Mut der Kibbutznikim von Dafna zu verdanken ist, dass die syrischen und libanesischen Armeen im Unabhängigkeitskrieg 1948 nicht ins Landesinnere vordringen konnten. Das Kibbutz zahlte einen schweren Preis.

Auch in der Literatur hat es sich einen redlichen Platz verdient: So ist der Held von Leon Uris´ Kultroman "Exodus", Ari Ben Kanaan (im Film von Paul Newman verkörpert) ein Sabre, also im Land Israel gebürtiger Jude (und kein Einwanderer) - und er kommt von hier, vom Kibbutz Dafna.
                                                Kibbutz Dafna: Der Kuhstall steht noch
                                            ...ist aber nicht die Hauptattraktion

Und heute? Heute steht zwar noch der Kuhstall und die alten Traktoren, aber hauptsächlich lebt das Kibbutz vom Tourismus, sowohl vom internationalen als auch vom internen, israelischen: Die Stadtmenschen finden hier die Natur, die frische Luft, eine Erholung am Swimming Pool und vieles mehr:

So gibt es ein ausgezeichnetes koscheres Fischrestaurant, wo jeden Tag frischer Fisch serviert wird, und wo man auf Holztischen vom Plätschern eines Wasserfalls sich den Gaumenfreuden ergönnen kann. Nebenan gibt es auch die Möglichkeit, selbst zu fischen und sich seinen Fang zubereiten zulassen.

Außerdem gibt es eine der besten Schuhgeschäfte (eigene Produktion) des Landes, ein Gästehaus erster Klasse sowie ein Café, dessen Frühstück mit den besten Früchten und Gemüsen der Region zubereitet wird.

Während die Sonne über den grünen Wiesen von Kibbutz Dafna langsam untergeht und sich rot im Dan-Fluß spiegelt, hört man außer den Zugvögeln und dem Plätschern des Flusses nur eines - eine angenehme Stille, die durch eine angenehme Brise nur noch untermalt wird...

Bilder und Text: Rosebud
Mehr Bilder von Kibbutz Dafna gibt es auf der Facebook-Seite

Montag, 8. Juli 2019

Über Wein und Völkerverständigung

                                                Weingut Mony - einzigartig

Nicht weit entfernt von Jerusalem und Beth Shemesh, in Deir Rafat im Süden Israels, liegt der Weingut Mony. Es ist ein ganz besonderes Weingut, das seinesgleichen weltweit such

Aber zurück zu Deir Rafat: Dabei handelt es sich um ein katholisches Kloster, das 1927 vom Priester Luigi Barlassina gegründet wurde. Barlassina, der 1872 in Turin geboren wurde, war aber mehr als nur ein Priester - er wurde von Papst Pius XI zum Patriarchen Jerusalems ernennt. Das war 1920, und diesen Posten hatte er bis zu seinem Tode 1947 inne.

Das von ihm gegründete Kloster steht immer noch - jedoch hört man hier eher Arabisch als Italienisch (oder gar Latein). Und von dort aus hat man einen Ausblick auf eine der pastoralischsten Landschaften Israels, wirklich eine Augenweide.
                                             Das Kloster - es steht immer noch
                                             Die Aussicht

Wir schreiben das Jahr 1980. Im Norden Israels, in Galiläa, lebt und arbeitet eine respektierte Familie arabischer Christen namens Artul. Die Familie ist wohlhabend und einflußreich, und überlegt sich, eine Investition in die Landwirtschaft zu machen. Dann stirbt Dr. Mony Artul.

Die Geschwister von Mony ehren seinen Namen auf ganz besondere Weise: Sie kaufen ein Weingut im Süden Israels, und nennen den Wein Mony, als Ehrung Dr. Mony Artuls. Der Ort des Weinguts: Deir Rafat.

Doch damit endet diese Geschichte nicht, im Gegenteil: Die Artuls wollen nämlich nicht nur vorzüglichen Wein produzieren, sondern auch etwas für die Völkerverständigung tun - und entschließen sich, den Wein koscher zu machen, ihn also unter jüdische Aufsicht zu stellen.
                                                      Unter jüdischer Aufsicht: Weinpresse

Gesagt, getan. Und so kann man in Deir Rafat eine wunderschöne Aussicht genießen, und stundenlang dort spaziergengehen. Man kann sich auch das noch aktive Kloster anschauen. Oder aber, man geht ins Mony-Weingut: Dort hört man Arabisch, Yiddisch und Hebräisch - und vor allem, kann man dort den vorzüglichen Wein probieren, der einem vom Koscher-Aufseher eingegoßen wird.

Und so sieht er aus, der Wein der Gesundheit, Wahrheit und Völkerverständigung:

Mehr Bilder vom Weingut Mony gibt es auf unserer Facebook-Seite

Bilder und Text: Rosebud