Mittwoch, 16. September 2026

Jom Kippur - autofreier Tag

 

 

 

 
                                                      Jom Kippur in Israel

Am Sonntag Abend beginnt in Israel (und der jüdische Welt) Jom Kippur, der höchsten Feiertag des jüdischen Jahres. Er endet Samstagnacht. Es ist dies der "Tag der Versöhnung", ein Tag der in der Synagoge verbracht wird, wo man den ganzen Tag fastet und in sich kehrt, sowie sich den Dialog mit dem Ewigen widmet.

In Israel ist es auch "autofreier Tag": Es hat sich eingebürgert, dass das ganze Land für 25 Stunden Pause macht - Restaurants und Geschäfte sind alle geschlossen, öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht, und - und das ist eine einzigartige Erfahrung! - es hat sich eingebürgert, dass kein einziges Auto fährt. Für die Bevölkerung Israels (und Touristen, die zu dem Zeitpunkt im Lande sind) ist das ein Happening: Kinder fahren überall mit dem Fahrrad, und Menschen gehen fröhlich auf den Autobahnen und den befahrensten Straßen der Städte spazieren. Dabei atmen sie - wie das Umweltministerium jedes Jahr feststellt - eine bis zu 90% weniger verschmutzte Luft ein...

Kurzum: Jom Kippur ist ein Feiertag, den man auf verschiedenste Weise begehen kann, der aber in Israel eine Atmosphäre schafft, die seinesgleichen weltweit sucht.

In diesem Sinne: Gmar Chatima Tova, also ein schöner Abschluss von Jom Kippur!

Bild und Text: Rosebud 

Mehr zu Jom Kippur gibt es 
unserer Facebook-Seite 

Donnerstag, 10. September 2026

Eine Geschichte zu Rosch HaSchanah: der letzte Dollar

 



Die Geschichte gibt es sehr bald auf unserer Facebook-Seite

In der Zwischenzeit  ab Freitagabend  A GIT GEBENCHT JUR (Jiddisch) = Gutes Neues Jüdisches Jahr bzw. SHANA TOVA U-METUKAH (gutes und süßes Neues Jahr)


Montag, 31. August 2026

Ahawat HaSchem Gordon - zwischen Himmel und Ring

 

Es gibt Namen, die wie ein Gebet klingen

Und es gibt Menschen, die diesen Namen mit Leben füllen.

„Ahavat HaSchem“ – die Liebe zu Gott.

So heißt ein junger Kämpfer aus Israel:
Ahavat Hashem Gordon.
Geboren im Jahr 2006 in einem kleinen Ort in den Hügeln von Samaria – und doch längst auf den großen Bühnen der Welt zuhause.





🌾 Ein Name wie ein Vers

Sein Name ist kein Künstlername.
Er ist Programm.

„Ahavat HaSchem“ – אהבת השם – bedeutet:
Liebe zu Gott.

Und manchmal fragt man sich:
Formt der Name den Menschen – oder der Mensch den Namen?

🥊 Der Ring als Bühne – und als Prüfstein

Ahavat Gordon vs. Ali Koyuncu – kompletter Kampf

Der Ring ist kein stiller Ort.
Er ist laut, hart, kompromisslos.

Und doch betritt ihn dieser junge Mann oft mit Kippa und Zizit – Zeichen seiner jüdischen Identität. (Wikipedia)

Ein Bild, das irritiert.
Und gleichzeitig berührt.

Im Februar 2026 trat er gegen einen türkischen Gegner an – ein Kampf, der bereits im Vorfeld politisch aufgeladen war.
Er gewann durch technischen K.o. und blieb ungeschlagen. (The Times of Israel)

Doch vielleicht war der eigentliche Sieg ein anderer:

Dass ein junger Mensch sichtbar sagt:
Ich verstecke nicht, wer ich bin.



 

🌿 Zwischen Glaube und Kraft

In Interviews spricht er nicht nur über Technik oder Training.
Sondern über Vertrauen.

„Alles kommt von Gott“, sagte er nach einem seiner Kämpfe. (ynetglobal)

Es ist ein Satz, der leicht gesagt ist –
aber schwer zu leben, besonders in einer Welt voller Druck, Konkurrenz und öffentlicher Aufmerksamkeit.

Und doch scheint genau darin seine Kraft zu liegen:
Nicht im Trotz.
Nicht im Lärm.
Sondern in einer stillen Ausrichtung.

 

🥊 Ein Sieg, der über den Ring hinausging

Im Februar 2026 trat Ahavat HaSchem Gordon in Litauen gegen den türkischen Kämpfer Ali Koyuncu an – ein Duell, das weit mehr war als nur ein sportlicher Wettkampf. Schon im Vorfeld war die Atmosphäre geladen: politische Spannungen, provokante Aussagen, ein fast greifbares Knistern in der Luft. Doch im Ring selbst sprach schließlich nur noch die Bewegung, die Präzision, die Entschlossenheit. Gordon dominierte den Kampf von Beginn an, schickte seinen Gegner mehrfach zu Boden und beendete das Duell schließlich durch technischen K.o. in der zweiten Runde.

Und während draußen viele über Politik sprachen, geschah im Inneren des Rings etwas anderes:
Ein junger Mann blieb bei sich. Klar. Fokussiert. Unerschütterlich.

            Screenshot der Live-Berichterstattung (rechtes Eck: die israelischen Reporter feiern den Sieg)

Vielleicht war es genau das, was diesen Moment so besonders machte –
nicht nur der Sieg, sondern die Art, wie er errungen wurde.


Bilder: Public Domain
Text: Rosebud

Mehr zu Ahavat HaSchem Gordon gibt es auf unserer Facebook-Seite

 

Sonntag, 23. August 2026

Slichot - ein Fest für die Ohren, und für die Seele

  

 

 

                                            

             Slichot-Gebet

Ab letzter Woche befinden wir uns im jüdischen Monats Elul (der letzte Monat des jüdischen Jahres). Und da ist es Tradition, bei Morgengrauen die sogenannten Slichot-Gebete zu singen.

 Bei den Slichot-Gebeten handelt es sich um sogenannte "Piyutim" - das sind lithurgische Gedichte aus dem Mittelalter oder älter, die sich oft reimen, und manchmal in alphabetischer Reihenfolge geschrieben werden, und die später in Musik gesetzt werden. Sie heiligen den Namen des Ewigen und bitten gleichzeitig um Vergebung für das sündenvolle und unbescheidene Leben des letzten Jahres.

Bei den Sepharden werden die Slichot um 5 Uhr früh,also vor Sonnenaufgang und dem Morgengebet, gebetet, während bei den Ashkenazen es spät am Abend, meist nach Mitternacht gebetet werden. Und so sieht man in religiösen Gegenden wie z.B. Nachlaot in Jerusalem oft um 4:30 einen Mann mit einer Glocke durch die Nachbarschaft gehen, der mit Geklingel und "Slichot, Slichot" die Leute aufweckt.

Trotz des Ernst dieser Gebete und des damit verbundenen Insichgehens ist es aber eine wunderschöne Tradition, wo man die Möglichkeit hat, wunderschöne Melodien zu hören und zu singen, und oft wird süßer Tee und Süßigkeiten serviert, um die späten Nacht- oder frühen Morgenstunden zu versüßen.

In letzten Jahren ist es Tradition geworden, dass auch Nicht-Religiöse Slichot-Touren durch religöse Gegenden machen - das sind meist Nachttouren, wo man verschiedenen Nachbarschaften und Synagogen verschiedener Gemeinden sieht - und vor allem hört. Hier ein Beispiel für zwei Slichot-Piyutim, wunderschön vorgesungen von Lior Amendy.

Ein weiterer Trend ist es, dass bekannte israelische Sänger Slichot-Piyutim neu vertonen - hier Meir Banai sel. And., der "El Nora Alila" (wie schlimm sind unsere Taten) singt, dessen zweite Zeile heisst "himza lanu mechila be-shaat ha-Neila" (vergebe uns, wenn sich die Pforten schließen), wobei die Pforten des Himmels gemeint sind, die sich beim Schlussgebet von Jom Kippur, dass auch so heisst -Neila - schließen.

Wir wünschen allen Lesern ein Shana Tova u-Metuka (ein gutes und süßes Neues Jahr), und dass der Adon HaSlichot, der Vater der Slichot, die Gebete erhöhern möge.

Bild: Public Domain
Text: Rosebud

Mehr zu Slichot gibt es auf unserer Facebook-Seite

Montag, 17. August 2026

Der Shalom-Tower: Ein kleiner Gigant!

  

                                        Von Wolkenkratzer zu einem kleinen Hochhaus unter vielen


Der höchste Turm des Nahen Ostens


...so wurde der von den drei Meir-Brüdern (Benjamin, Mordechai und Moscheh) geplante und 1965 eröffnete Schalom-Turm genannt. "Es war wirklich revolutionär", sagt Zalman Schuval, der 95 Jahre alte  Schwiegersohn Moscheh Meirs, der immer noch den Shalom-Turm managt, und jeden Tag dort ins Büro geht.

                                                                     Zalman Schuval  

"Er war damals", so Schuwal weiter, "nicht nur der höchste Wolkenkratzer im Nahen Osten, sondern das höchste Gebäude zwischen Rom und Tokyo."

Die Initiative war damals recht umstritten, denn der Schalom-Turm wurde auf den Ruinen des "Gymnasia Herzliyah" gebaut, dem ersten Gymnasium der Welt, wo die Unterrichtssprache Hebräisch war.

Trotz der Opposition wurde er letztendlich gebaut, und 1965 eingeweiht - und die Zahlen waren beeindruckend: 140 Meter Höhe, 35 Stockwerke, 26 Aufzüge. Und:

                                             Rolltreppen - sie gibt es immer noch

Ja, im Schalom-Turm waren die ersten Rolltreppen in Israel! Vom ganzen Land kamen Leute angereist, um die Rolltreppen des Schalom-Turms zu sehen...Was heute kaum Augenbrauen hebt, kam vielen Leuten 1965 wie ein Weltwunder vor!

Und natürlich standen große israelische und internationale Firmen Schlange, um ihr Büro im Schalom-Turm zu haben. "Es war auch Aussage," so Schuwal, "wir sind wer! Tel Aviv ist nicht mehr eine kleine, verschlafene Stadt im Nahen Osten. Nein! Tel Aviv ist ein internationales Wirtschaftszentrum, das es auch mit den großen Nationen der Welt aufnehmen kann."

Disneyland, Aussichtsturm und Madame Toussaud 

 

                                         Aus Wachs nachgestellte Landung Anwar Sadats in Israel

Ein paar Jahre nach der Eröffnung des Schalom-Turms (1970) machte dort das israelische Wachsmuseum es Madame Toussaud nach: es wurden Szenen der israelischen Geschichte wie der Eichmann-Prozess und - siehe oben - die Landung des ägyptischen Präsidenten Sadats (der im Bild oben der zweite von links ist, ganz links ist der israelische Premierminister Begin) in Israel kurz vor dem Friedensvertrag mit Israel (1979, es wurde 1980 in das Programm des Wachsmuseums aufgenommen) nachgestellt. Aber auch allgemeine Entwicklungen wie die Mondlandung waren im Wachsmuseum des Schalom-Turms zu sehen.

Aber auch eine lokale Version von Disneyland gab es hier:

                           Goofy im "Meir-Land": Disneyland im Vorhof des Schalom-Turms 

Und oben gab es einen Aussichtsturm, wo man durch Münz-Teleskopen bis nach Zypern sehen konnte.

Heute: High-Tech und Darstellende Künste

Und heute? 

Auf der Ost-Seite ist der Schalom-Turm seinem ursprünglichen Zweck treu geblieben - er haust große Investment-Firmen und High-Tech-Firmen, die mit viel größeren Hochhäusern konkurrieren.

Auf der West-Seite hingegen ist die Schule der Darstellenden Künste (Theater und Tanz) des "Seminar HaKibbutzim", wo die Schüler eine fantastische Aussicht auf das Meer, Tel Aviv und Jaffo haben:

                              Tanz-Stunde bei Sonnenuntergang. Im Hintergrund: Jaffo und Mittelmeer

Der Schalom-Turm ist noch heute relevant. So wie vor 60 Jahren. Auf (mindestens) die nächsten 60 Jahre, so wie man sich zu Geburtstag wünscht: Bis 120!

Bilder Public Domain

Mehr Fotos und Videos zum Schalom-Turm gibt es auf unserer Facebook-Seite


Sonntag, 2. August 2026

Halpers - eine Tel Aviver Institution

 




Ein eher unscheinbares Schild (siehe oben) zeigt den Eingang zu einer Welt, der Buchfreunde ganz Israels entzückt: Es ist dies der Eingang zu Halpers Books, der sich im Süden Tel Avivs, auf Allenby 37 befindet. Dort finden sich Bücher auf Englisch, Russisch, natürlich auch Hebräisch, aber auch Französisch und Deutsch, vor allem Literatur, aber auch Bücher zu sämtlichen nur erdenkbaren Themen...


Bereits im Hof stapeln sich die Bücher reihenweise (siehe oben) - und das ist nur ein Vorgeschmack auf der Riesenauswahl, die kommt.

Angefangen hat alles 1991, kurz vor dem Golfkrieg, als der neu verheiratete und neu in Israel eingewanderte amerikanische Bibliophil Yofel Halpern sich entschloss, sein Glück in Israel mit dem zu machen, was er am liebsten hatte: Bücher! Natürlich passt das gut zum Volk, zu dem er gehört - dem Volk des Buches...

Seit dem hat er zig Geschichten erlebt, die selbst Bücher füllen konnte: Beispielsweise den Besitz eines von Sigmund Freud persönlich gewidmeten Buches (nicht an Halpern, aber trotzdem), eine Bestellung vom Buckingham Palace - sie wollten für ihre Bücherei eine Biographie von König Christian von Dänemark - und einen Obdachlosen, der nach Übernachtung in Allenby die Tage im Buchladen verbrachte. Als der Obdachlose starb, und sich keine Verwandten fanden, richtete Halpern die Beerdigung aus...

Aber die wahren Geschichten erzählen natürlich die ca. 50.000 Bücher (grobe Rechnung), die von Boden bis Decke 4 Zimmer füllen. (siehe oben) Dazu gehörte ein Brief Albert Einsteins an den jüdischen Untergrund während des Britischen Mandats (Halpern verkaufte ihn an Sothebys), seltene Pessach-Haggadas (ein ehemaliger Präsident Israels war Sammler), die Nachlässe des legendären Verteidigungsministers Moshe Dayans, des ehemaligen Präsidenten Ezer Weizmanns und des kürzlich verstorbenen Schauspieler und Regisseur Assi Dayans.

Die Kundschaft ist ein farbenfrohes Gemisch aus typischen Tel Avivis, Anglos und anderen Einwanderer, Fremdarbeiter aus den Philippinen, Arbeiter verschiedener Botschaften (vor allem der amerikanischen, aber auch anderer) und - aufgrund des guten Judaica-Bestands - auch viele Haredim.

Und (fast) jeder findet das Buch seiner Träume bei Halperns, einer Tel Aviver Institution.

Bilder und Text: Rosebud

Montag, 27. Juli 2026

Tu be Aw, das jüdische Fest der Liebe

  

 Heute abend fängt Tu beAw an, das jüdische Fest der Liebe

 

  


 


Da Tu be Av - wie  alle jüdischen Feiertage - nach dem jüdischen Mondkalendar berechnet wird, fällt er auf einen Vollmond, denn Tu be Av heisst "15. des Monats Av" und 2 Wochen nach dem Neumond ist bekanntermaßen Vollmond.


Hier ein paar Eindrücke von frühreren Jahren, und etwas mehr Erklärung:




                                            Die Herzen schlagen höher: Tu beAw




                                            Vollmond

Was passierte an Tu beAw?


Die Rabbiner datierten mehrere Ereignisse auf den 15. Av (=Tu be Aw). Zu diesen gehört die Begnadigung der letzten Mitglieder der Wüstengemeinschaft, welche an der Sünde der Kundschafter beteiligt waren. Das 4. Buch Mose schildert, dass Kundschafter ausgesandt wurden, welche prüfen sollten, ob die Inbesitznahme des damaligen Landes Kanaan möglich sei. Die meisten Kundschafter schilderten das Land als nicht einnehmbar und das Volk glaubte ihnen. Zur Strafe für ihren Kleinmut sollte die Generation, welche zu dieser Zeit lebte, nicht das Gelobte Land erreichen. Die nach 40 Jahren noch lebenden Zweifler spürten an einem 15. Av, dass sie begnadigt waren.

Des Weiteren erfolgte zu biblischen Zeiten jeweils an einem 15. Av die Aufhebung zweier Heiratsverbote: Die 12 Stämme Israels durften ab da nicht nur innerhalb jedes Stammes, sondern auch untereinander heiraten. Und auch durfte der bisher ausgeschlossene Stamm Benjamin ab da heiraten.

Wie wird Tu b'Av gefeiert?


Traditionell finden an diesem Tag viele Hochzeiten statt. Und unverheiratete gehen an diesem Tag auf Braut- bzw. Bräutigamssuche. Dabei ziehen sich die Frauen weiß an (wie eine Braut) - jedoch wird vorgeschlagen, dass es keine neuen Kleider sind, so dass die Ärmeren nicht neidisch werden.

                                                     Weiß - auch bei Männer attracktiv.



Hier ein paar weitere Eindrücke frühererTu be Aw Festlichkeiten:


Kikar Dizengoff - ganz im Zeichen der Liebe
                                             
                                              Es wurde GESWINGT!






                                           Traditionelles Charleston-Outfit





Na denn: FRÖHLICHES FEST DER LIEBE!




Bilder und Text: Rosebud
Mehr zu Tu be Aw gibt es auf unserer Facebook-Seite

Mittwoch, 15. Juli 2026

Waiting

  

 

                                                  Vom Video-Clip zu Naama Chetrits "Waiting"


Nichts kann diese Zeit besser zusammenfassung als das Wort "Waiting":

- wir warten, dass der Sommer und diese schreckliche Hitzewelle endlich vorbei sind

- wir warten auf die Wahl 

 - wir warten, dass es wieder so wird, wie es war, oder zumindest - nicht noch schlimmer wird, als es ist

KURZUM: WAITING

Bis das Warten vorbei ist, träumen wir mit offenen Augen



stellen alles auf den Kopf


und hoffen, dass wir mit einem Lächeln aufgeweckt werden




Bilder: Youtube

Text: Rosebud

Links zum Lied und zu Naama Chetrit gibt es auf unserer Facebook-Seite

Montag, 6. Juli 2026

100 Jahre Große Synagoge Allenby

  


 Große Synagoge Allenby – Außenansicht
Tel Aviv, Allenby Street. Zwischen hupenden Bussen, schattigen Straßencafés und dem ewigen Kommen und Gehen der Stadt erhebt sich ein Bauwerk, das leise von Geschichte erzählt: die Große Synagoge an der Allenby‑Straße. Im Jahr 2025 blickt sie auf 100 Jahre Geschichte zurück – ein Jahrhundert voller Wandel, Hoffnung und Erinnerung.


Ein Traum aus den 1920er‑Jahren

Als Tel Aviv noch jung war, entstand der Wunsch nach einem repräsentativen geistlichen Zentrum. 1922 entwarf der Architekt Yehuda Magidovitch die Große Synagoge. Der Bau kam jedoch nur schleppend voran – erst die finanzielle Unterstützung von Baron Edmond de Rothschild machte die Fertigstellung möglich.
1926 war das Gebäude vollendet, 1930 wurde es feierlich eingeweiht. Die Synagoge wurde schnell zu einem Mittelpunkt religiösen und gesellschaftlichen Lebens.

Licht, Glas und Erinnerung

Buntglasfenster der Großen Synagoge
Besonders eindrucksvoll ist der Innenraum: eine hohe Kuppel, weite Hallen und die berühmten Buntglasfenster, die an zerstörte Synagogen Europas erinnern. Wenn das Sonnenlicht durch das Glas fällt, scheint die Vergangenheit für einen Moment greifbar nah.
Diese Fenster sind stille Mahnmale – und zugleich Symbole des Weiterlebens.


Wandel der Stadt, Wandel der Synagoge

In den 1960er‑Jahren veränderte sich das Viertel rund um die Allenby‑Straße stark. Viele Gemeindemitglieder zogen weg, die Synagoge verlor an Bedeutung als alltäglicher Gebetsort.
1970 wurde sie umfassend renoviert und erhielt ihre heutige, markante Fassade mit Bögen und modernen Elementen. Seitdem steht sie nicht nur für religiöse Kontinuität, sondern auch für architektonischen Wandel.

Bewahren für die Zukunft

Große Synagoge Allenby – Detail
Heute ist die Große Synagoge Teil umfangreicher Restaurierungs‑ und Erhaltungsprojekte. Ziel ist es, sie als historischen Ort, kulturelles Erbe und lebendigen Bestandteil der Stadt neu zu positionieren.
Ein Ort der Stille – mitten im urbanen Puls.


Ein persönlicher Gedanke

Vielleicht geht man an ihr vorbei, ohne stehen zu bleiben. Vielleicht betritt man sie nur für einen kurzen Moment. Doch wer innehält, spürt: Diese Mauern haben vieles gesehen. Und sie erzählen weiter – leise, würdevoll, seit nunmehr 100 Jahren

Bilder: Public Domain
Text: Rosebud

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Dienstag, 30. Juni 2026

Makkabia 2026: Ein Sommer voller Kraft und Verbundenheit

 

 

Am 1. Juli fängt die Makkabia, oft als die "jüdischen Olympischen Spiele" bezeichnet, an, und zwar mit einem großen, internationalen Auftakt-Event in Jerusalem

Ein Treffen der Weltgemeinschaft

Es ist ein Ereignis, das weit über die reine sportliche Leistung hinausgeht. In diesem Jahr versammeln sich 8.000 Athleten aus 55 verschiedenen Ländern, um in 45 verschiedenen Sportarten gegeneinander anzutreten. Wenn man sich diese Zahlen vor Augen führt, dann sieht man nicht nur Wettkämpfer, sondern Botschafter, die aus allen Himmelsrichtungen angereist sind, um hier, in der Hitze des israelischen Sommers, ihren Mut und ihre Leidenschaft zu zeigen.

"Ein Feuer brennt in ihnen" – so beschreibt es die Makkabia-Organisation. Und dieses Feuer spürt man, wenn man durch die Städte geht, von Jerusalem bis in den Norden und Süden, wo die 3.000 Turniere ausgetragen werden.



Mehr als nur Sport

Die Makkabia ist ein Versprechen auf Zusammenhalt. Es ist das Wissen, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind. Während die Sportler an ihre Grenzen gehen, laden sie uns ein, innezuhalten und diese Verbundenheit zu feiern. Ob beim Schwimmen, im Kampfsport oder bei den Teamspielen – am Ende des Tages bleibt das Gefühl, dass wir durch unsere gemeinsame Geschichte und unsere Visionen fest miteinander verwoben sind.

 



Text: Rosebud

Fotos: Website der Makkabia


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Dienstag, 16. Juni 2026

Mosch ben-Ari: Vollblutmusiker, Made in Israel

 

Wer ist Mosh ben-Ari?

Israelischer Sänger und Musiker, dessen Background so vielfältig ist wie das Land selbst: In Israel geboren, Familienwurzeln in Russland, Asarbadjan, Ägypten, Iraq und Jemen. Aufgewachsen ist Mosh in Afula, einer Entwicklungsstadt im Norden Israels. Schon von früh an fing Mosh an, sich für Musik zu interessieren, inspiriert von den Klängen der jemenititschen Synagogenmusik (hier ein Beispiel), die in der kleinen Nachbarschaftssynagoge Afulas gesungen wurde.

Anfangs war er der Frontsänger der Band "Sheva", mit der er viele Hits hatte
                                                 Sheva: Hilula

Der Stil war Reggae, und auch damals waren die Hauptthemen Spiritualität, die Verbindung mit der Natur und Frieden. Sheva war ein voller Erfolg, und sie tourten in Europa, Amerika, und sogar Australien. Die Band war Reggae, Shanti und New Age - und passte genau in den Trend.

Das Lied "Salam-Shalom" wurde zur Hymne einer ganzen Generation - weltweit
                                              Salam- Shalom - live in Australien


Seit einigen Jahren ist er solo (als Sänger), und hat sich von Reggae- zum Rockmusiker weiterentwickelt, wobei er sowohl singt als auch Gitarre spielt. Mosh schreibt alle seine Songs selbst, sowohl Text als auch Musik, und entwickelt sich ständig als Musiker weiter. Zudem ist er aktiv im Kampf für die Erhaltung des Toten Meers als Natur-Reservoirs, für den Frieden und für die musikalische Tradition von Nordafrika und den Nahen Osten.

                                            

Mosh ben-Ari: Ein Phänomen


Er ist auch weiterhin aktiv als Botschafter von Frieden, Naturverbundenheit und Spiritualität - und vor allem als wunderbarer Musiker, der jede Note und jedes Wort Text seiner Lieder selbst schreibt.
                                          
Text und Fotos: Rosebud

Mittwoch, 10. Juni 2026

Ein Jahrhundert zwischen den Zeilen: Die Magie der Hebräischen Buchwoche

Ein Jahrhundert voller Geschichten - in Israel

                                                   Hebräische Buchwoche
                                   

„Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.“ – Ein altes Sprichwort, das mir heute Morgen wieder in den Sinn kam, als ich über den Duft von frischem Papier und die sanfte Wärme der Sommersonne nachdachte.

Stellt euch vor: Wir feiern ein Jahrhundert voller Geschichten. Ein Jahrhundert, in dem die hebräische Sprache nicht nur auf Pergamenten ruhte, sondern in den Alltag der Menschen wanderte – auf die Tische, in die Parks und in die Herzen der Leser. 

Die Hebräische Buchwoche, dieses wunderbare Fest der Literatur, blickt auf eine hundertjährige Tradition zurück. Es ist ein Jubiläum, das wie eine alte Rose duftet – eine Mischung aus beständiger Eleganz und frischer Lebenskraft.

Und alles fing mit EINEM Stand an, und einer handvoll Bücher!


Ein Fest für die Sinne

Wenn ich an die Buchwoche denke, sehe ich die langen Reihen der Stände vor mir. Die Sonne senkt sich langsam, der Himmel färbt sich in zartes Apricot, und zwischen den aufgeschlagenen Seiten der Neuerscheinungen finden wir Momente der Stille. Es ist ein Fest, das nicht laut ist. Es ist ein Flüstern zwischen Autor und Leser, eine Einladung, in ferne Welten zu reisen, ohne den eigenen Garten zu verlassen.

 

                                                   Eindrücke von Hebräischer Buchwoche

Warum wir heute noch blättern

In einer Welt, die immer schneller zu werden scheint, bleibt das gedruckte Wort ein Anker. Ein Buch zu halten, das Papier zu spüren, das sanfte Rascheln beim Umblättern – das ist eine Kunst, die wir uns bewahren sollten. Die Buchwoche erinnert uns daran, dass wir Teil einer langen Erzählung sind. Von den Anfängen, als das hebräische Buch ein kostbares Gut war, bis heute, wo es uns wie ein treuer Begleiter durch das Leben führt.

 „Wer liest, lebt tausend Leben, bevor er stirbt. Wer nicht liest, lebt nur eines.“ – Ein Zitat, das bei diesem Jubiläum heller strahlt denn je.


Bücher - Totgesagte leben länger

Bücher werden spätestens seit dem Internet, und wahrscheinlich seit dem Radio und Fernsehen totgesagt. Und Handies gelten als "Coup de Grace". Jeder ist vor irgendeinem Bildschirm - nicht aber vor einem Buch. 

Oder?

Wenn wir DIE amerikanische Talkshow-Königin Oprah Winfrey fragen, und die MILLIONEN Followers ihres Buchklubs, dann bekommen wir einen anderen Eindruck: Zu Lesen ist SEXY!

Auch die Social Media machen keinen Umweg zu Büchern, sondern gehen gerade auf sie zu: So gibt es beispielsweise BookTik, eine riesige und sehr beliebte Unterseite zu Büchern auf TikTok.

Kurzum: Totgesagte leben länger. Und das gilt hier doppelt: eine jahrhundertlange totgesagte Sprache feiert ein Medium, das auch totgesagt wurde - und wahrscheinlich uns alle überlebt. 

Feiert mit mir diesen Meilenstein. Mögen noch viele Jahrhunderte voller hebräischer Worte folgen, die unsere Seelen nähren wie Tau den Garten am frühen Morgen.

Habt ihr ein Buch, das euer Leben verändert hat? Erzählt mir davon in den Kommentaren – ich würde mich so freuen, eure kleinen, literarischen Schätze zu entdecken!

Text: Rosebud

Bilder: von der Facebook-Seite der Hebräischen Buchwoche

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#Buch #Buchwoche #שבועהספר #HebrewBookWeek #Lesen #Bücher 


Montag, 8. Juni 2026

Israelische Schaumspeise mit Migrationshintergrund

 


                                                Krembo - angebissen und originalverpackt



Trivia

  • Die israelische Version des in Deutschland früher mal politisch unkorrekt als "Negerkuss" und "Mohrenkopf" vermarktete Süssspeise, heute als "Dickmanns" (nach dem Hersteller, aber auch nach dem Resultat, wenn man zuviele ist) bekannt, unterscheidet sich nicht nur dem Namen nach von seinem europäischen Vetter:
  • So ist es koscher (sogar sehr - glatt koscher), laktosefrei und jedes Krembo ist originalverpackt (siehe oben). Nebenbei sind die Krembos so empfindlich, dass Roboterarme bei der Verpackung es zermampfen würde. Und so wird jeder Krembo bis zum heutigen Tag per Hand verpackt. (Es gibt übrigens Sammler der Verpackung, die sie nach Genuss des Krembos bügeln und damit die Wand tapetieren - kein Witz!)
  • Den Namen erhielt "Krembo" vom Hersteller Whitman, und heute ist es Teil des Strauss-Imperiums.
  • In der israelischen Ubersetzung ist Krembo die Lieblingsspeise von Harry Potter


Wirtschaft

Krembos warden nur 5 Monate im Jahr hergestellt, nämlich von Oktober bis Februar, da es im Sommer zu schnell schmelzt.Trotzdem werden alleine in Israel 50 Millionen Krembos pro Saison verkauft - und es gibt auch einen Weltmarkt, vor allem in Regionen, wo Exil-Israelis leben.


Koscher

Nachdem Krembo zwei Teile hat - den Schoko-Creme-Teil und den Keks-Teil, erhält jeder Teil eine andere Bracha (Segensspruch). Zudem ist es am Shabbat (Samstag) verboten, die beiden Teile zu trennen - und der Sänger Ahron Razel hat dazu sogar ein witziges Lied geschrieben (gibt es auf unserer Facebook-Seite)


Last but not least:

Videos der Krembo-Herstellung - auf unserer Facebook-Seite


Bild: Public Domain

Text: Rosebud


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