Sonntag, 15. September 2019

Nachruf auf Shimon Peres

 
                                                 Peres (1913-2016)

Vor genau ywei Jahren starb mit Shimon Peres wohl einer der letzten Gründerväter Israels. Der als Szymon Perski in Wiszniew (damals Polen) geborene Staatsmann emigrierte als 10-Jähriger in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina, wo er zunächst als Schafhirte und Kuh-Milcher arbeitete.
                                                         Peres in jungen Jahren


Bereits in jungen Jahren zeigte sich allerdings sein politisches Talent, und so ernennte ihn David Ben-Gurion, später der erste Premierminister Israels, im Unabhängigkeitskrieg zum Leiter des israelischen Seedienstes. Nach der Staatsgründung blieb er Ben-Gurion und der Politik treu - und prägte Israels Politik bis zu seinem Tode.

Es würde den Rahmen sprengen, alle Errungenschaften von Shimon Peres aufzuzählen, daher nur ein paar Highlights:
- zweimalig Premierminister (1986-1988 sowie 1995)
- Präsident (2007-2014)
- Friedensnobelpreisträger
- Träger der amerikanischen "Presidential Medal of Freedom"

... und alles das von einem, der nie eine Wahl gewinnen konnte, und der als Outsider galt - denn er war, im Gegensatz zu Politikern wie Yitzhak Rabin und Moshe Dayan, weder in Israel geboren, noch ein Militärheld gewesen.

Peres aber war ein Aufstehmännchen, der sich von einer verlorenen Wahl nie davon abbringen ließ, es noch einmal zu versuchen, ein unverbesserlicher Optimist, der oft meinte, seine als "naive Träumerei" bezeichnete Idee von Frieden und einem "neuen Nahen Osten" sei nur ein Zeichen seines Pragmatismus.


Begeistern liess sich Peres von neuen Technologien, und von Israels Entwicklung zur "Start-Up-Nation", wie man hier sehen kann, mit typischen Peres-Humor:
                                             Peres und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Und so erhielt er vielleicht das beste Kompliment seines Lebens als Nachruf zu seinem Tod: "Peres war ein Visionär", meinte Tim Cook in einem Tweet. Wenn der Geschäftsführer von Apple das über einen 93-Jährigen ehemaligen Schafhirten sagt, dann ist vielleicht die Welt doch kein so schlechter Platz, und der naive Träumer hat doch recht behalten.

Text: Rosebud
Bilder: Public Domain

Mittwoch, 4. September 2019

Lithurgie zu Morgengrauen: Slichot

                                            
             Slichot-Gebet

Seit Anfang dieser Woche befinden wir uns im jüdischen Monats Elul (des letzte Monat des jüdischen Jahres). Und da ist es Tradition, bei Morgengrauen die sogenannten Slichot-Gebete zu singen.

 Bei den Slichot-Gebeten handelt es sich um sogenannte "Piyutim" - das sind lithurgische Gedichte aus dem Mittelalter oder älter, die sich oft reimen, und manchmal in alphabetischer Reihenfolge geschrieben werden, und die später in Musik gesetzt werden. Sie heiligen den Namen des Ewigen und bitten gleichzeitig um Vergebung für das sündenvolle und unbescheidene Leben des letzten Jahres.

Bei den Sepharden werden die Slichot um 5 Uhr früh,also vor Sonnenaufgang und dem Morgengebet, gebetet, während bei den Ashkenazen es spät am Abend, meist nach Mitternacht gebetet werden. Und so sieht man in religiösen Gegenden wie z.B. Nachlaot in Jerusalem oft um 4:30 einen Mann mit einer Glocke durch die Nachbarschaft gehen, der mit Geklingel und "Slichot, Slichot" die Leute aufweckt.

Trotz des Ernst dieser Gebete und des damit verbundenen Insichgehens ist es aber eine wunderschöne Tradition, wo man die Möglichkeit hat, wunderschöne Melodien zu hören und zu singen, und oft wird süßer Tee und Süßigkeiten serviert, um die späten Nacht- oder frühen Morgenstunden zu versüßen.

In letzten Jahren ist es Tradition geworden, dass auch Nicht-Religiöse Slichot-Touren durch religöse Gegenden machen - das sind meist Nachttouren, wo man verschiedenen Nachbarschaften und Synagogen verschiedener Gemeinden sieht - und vor allem hört. Hier ein Beispiel für zwei Slichot-Piyutim, wunderschön vorgesungen von Lior Amendy.

Ein weiterer Trend ist es, dass bekannte israelische Sänger Slichot-Piyutim neu vertonen - hier Meir Banai sel. And., der "El Nora Alila" (wie schlimm sind unsere Taten) singt, dessen zweite Zeile heisst "himza lanu mechila be-shaat ha-Neila" (vergebe uns, wenn sich die Pforten schließen), wobei die Pforten des Himmels gemeint sind, die sich beim Schlussgebet von Jom Kippur, dass auch so heisst -Neila - schließen.

Wir wünschen allen Lesern ein Shana Tova u-Metuka (ein gutes und süßes Neues Jahr), und dass der Adon HaSlichot, der Vater der Slichot, die Gebete erhöhern möge.

Bild: Public Domain
Text: Rosebud

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Montag, 2. September 2019

Nazikiller-Ballerina



"Zieht Euch aus!", rief  SS-Oberscharführer Walter Quakernack der Gruppe Frauen zu, die gerade in Auschwitz angekommen waren. Eine davon, eine ausgebildete Tänzerin,tat dies in einer erotischen Striptease-Performance. Quackernack schaute ihr mit lechzender Zunge zu. Plötzlich nahm sie ihren Stöckelschuh und bohrte den Absatz in seine Stirn. Der SS-Oberscharführer sank zu Boden. Die Tänzerin griff sich seine Pistole, und schoss auf zwei weitere SS-Männer. Die anderen Frauen folgten dem Beispiel, und stürzten sich auf die Nazis, nach Berichten zufolge schafften sie es, einen zu skalpieren, und einen anderen die Nase aus dem Gesicht zu reissen. Dann aber kam vollbewaffneter Nachschub der Nazis, mit auf die Frauen gerichtete Maschinengewehre. Die Tänzerin, die sah, wie aussichtslos die Situation war, nahm die Pistole, die sie vom ersten SS-Mann entwendet hatte, setzte sie an ihre Stirn - und drückte ab...

Was wie eine Szene aus einem Tarantino-Film klingt - so in etwa "Kill Bill meets Inglorious Basterds", beruht auf wahren Begebenheiten - es ist dies die Geschichte von Francisza Mann, einer 1917 in Polen geborener Jüdin, die bereits in jungen Jahren (zur Zeit ihres Todes war sie 26 Jahre alt) bereits eine Karriere als Ballerina für sich geschaffen hatte. Als zusätzliche Einnahmequelle tanzte sie in Nachtclubs, wo sie wohl das Ablenkungsmanöver des Stripteasetanzes ebenso lernte, und auch, wie man sich lästige Männer weghält...



Diese Geschichte wäre wohl in Vergessenheit geraten, hätte sich nicht, wie in "Haaretz" berichtet  2019 das "Jerusalem Ballet" sich - wie passend! - durch ein Ballett sich ihrer erinnert. Die Premiere war am 1. September 2019. Das ist der 80. Jahrestag des Beginn des Zweiten Weltkriegs.





Text: Rosebud
Bilder: Public Domain

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Sonntag, 25. August 2019

Doktor Schakschuka - vom Gefängnis zum Starkoch

  

                                                        Bino Gabso, "Dr. Schakschuka"

Jeder in Israel weiss, was Schakshuka ist (siehe Bild oben), und kennt "Dr. Schakshuka" als eines der besten Restaurants in Jaffa. Allerdings wissen nicht alle, wer sich hinter dem Namen "Dr. 
Schakschuka " versteckt, und wie die Idee entstanden ist. Dies ist die unglaubliche, aber wahre Geschichte:

Dr. Schakshuka heisst eigentlich Josef Benjamin "Bino" Gabso, und wurde 1952 als Sohn lybischer Eltern in Jaffa geboren. Sein Vater öffnete dort ein Restaurant namens Tripoli, allerdings war die Haupteinnahmequelle der Familie Währungstausch, damals noch illegal in Israel.
Bino half von klein auf seinen Eltern, vor allem beim Währungstausch - und immer, wenn er mit Gewinn Geld tauschen konnte, kochte sein Vater Shakshuka für ihn.

Das ging so weiter, auch als Bino bereits ein Erwachsener war, auch nach dem Armeedienst. Bis - ja, bis er in den 80er Jahren inflagranti erwischt wurde - und verhaftet wurde.

Die Zeit im Gefängnis war die Geburtsstunde von Dr. Schakschuka: So wie er es von seinem Vater gelernt hatte, kochte er für die Mitinsassen, die hungrig auf das Schakschuka warteten, dass er immer kochte - dabei bekam er Eier und Tomaten von den Wärtern (auch die wollten auf das inzwischen berühmt gewordene Shakshuka nicht verzichten) und das Gewürz "filfil huma" - ohne das in der lybischen Küche gar nichts geht - von seiner Tochter. Seine Kochkünste ernteten ihn den Spitznamen "Dr. Schakshcuka"...

15 Monate Haft später war Dr. Schakschuka bereit, sein erstes Restaurant in Jaffa zu eröffnen - and the rest is history, wie man so sagt: Selbst heute, 30 Jahre später, steht man bei "Dr. 
Schakschuka " oft stundenlang Schlange (vor allem am Freitag), es gibt bereits weitere Zweigstellen, und Bino hat auch schon andere Restaurants eröffnet (wo es nicht, oder nicht nur Shakshuka gibt)

Für seine fünf Kinder und zwölf Enkel heisst er aber nur Bino - und gekocht wird, auch das 
Schakschuka - nur zu hause...

Bild: Public Domain
Text: Rosebud

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Donnerstag, 15. August 2019

FRÖHLICHES JÜDISCHES FEST DER LIEBE!



                                            Die Herzen schlagen höher: Tu be Aw


Ab heute abend (und bis Freitagabend) ist Tu be Aw, das jüdische Fest der Liebe


                                            Vollmond

Was passierte an Tu be Aw?

Die Rabbinen datierten mehrere Ereignisse auf den 15. Aw (=Tu be Aw). Zu diesen gehört die Begnadigung der letzten Mitglieder der Wüstengemeinschaft, welche an der Sünde der Kundschafter beteiligt waren. Das 4. Buch Mose schildert, dass Kundschafter ausgesandt wurden, welche prüfen sollten, ob die Inbesitznahme des damaligen Landes Kanaan möglich sei. Die meisten Kundschafter schilderten das Land als nicht einnehmbar und das Volk glaubte ihnen. Zur Strafe für ihren Kleinmut sollte die Generation, welche zu dieser Zeit lebte, nicht das Gelobte Land erreichen. Die nach 40 Jahren noch lebenden Zweifler spürten an einem 15. Aw, dass sie begnadigt waren.

Des Weiteren erfolgte zu biblischen Zeiten jeweils an einem 15. Aw die Aufhebung zweier Heiratsverbote: Die 12 Stämme Israels durften ab da nicht nur innerhalb jedes Stammes, sondern auch untereinander heiraten. Und auch durfte der bisher ausgeschlossene Stamm Benjamin ab da heiraten.

Wie wird Tu be Aw gefeiert?

Traditionell finden an diesem Tag viele Hochzeiten statt. Und unverheiratete gehen an diesem Tag auf Braut- bzw. Bräutigamssuche. Dabei ziehen sich die Frauen weiß an (wie eine Braut) - jedoch wird vorgeschlagen, dass es keine neuen Kleider sind, so dass die Ärmeren nicht neidisch werden.

                                                     Weiß - auch bei Männer attracktiv.



Hier ein paar Eindrücke einer Tu be Av der kürzlichen Vergangenheit:

Kikar Dizengoff - ganz im Zeichen der Liebe
                                               
                                              Es wurde GESWINGT!






                                           Traditionelles Charleston-Outfit





Na denn: FRÖHLICHES FEST DER LIEBE!


 
 
Bilder und Text: Rosebud

Donnerstag, 8. August 2019

Andromeda - von griechischen Mythos zu israelischer Luxuswohngegend


                                                         Andromeda im Mythos...
 
...und in seiner modernen Form, als Luxuswohngegend in Jaffa:





Griechische Mythologie:
 
Um die Arroganz ihrer Mutter zu strafen, die die Tochter, Andromeda, für schöner als die Nereiden hält, schickt Poseidon ein Seeungeheuer und eine Flut. Um das Land von dieser Plage zu befreien, wird Andromeda nach dem Spruch eines Orakels an einen Felsen am Meer geschmiedet, um dem Ungeheuer geopftert zu werden. Perseus befreit Andromeda und heiratet sie - sie gebiert ihm viele Kinder, u.a. Perses, der Stammvater der Perserkönige. Auch ist sie eine Vorfahrin von Herkules...

Israelische Realität

Beim Hafen von Jaffa wird Andromeda, die Luxuswohngegend, nach dem Spruch eines Orakels (von Inmobilienentwickler) an einen Felsen am Meer geschmiedet.
                                           Aussicht aus eine der Wohnungen

Die Miet- und Kaufpreise sind horrend, die Architektur und Lage erinnert an Toskana - und sowohl die Nähe zum Meer, als auch der Cocktail beim Swimming-Pool der Anlage lassen die Herzen höher schlagen
                                            Swimming-Pool der Anlage

Auch die Mütter und Väter des modernen Andromedas halten sie schöner als die Nereiden - und die Kritiker der Anlage - die, die "Old Yafo" nostalgisch und altbacken lassen wollen - finden, dass es die Anlage selbst ist, die das Monster ist.

Und während die Bewohner sich im Paradies fühlen, warten die Nachbarn auf Perseus, der sie rettet.

Bilder und Text: Rosebud
Nachbildung des Andromeda-Gemälde: Public Domain 

Montag, 5. August 2019

Die Ersten von Zion

 
                                                      Geschichte und Fortschritt: Rishon

Rishon LeZion (die Ersten von Zion), von seinen Bewohnern auch liebevoll "Rishon" oder nach der hebräischen Abkürzung "RashLaZ" genannt, hat eine reiche und eindrucksvolle Tradition - aber auch eine nicht weniger imposante Stellung in der Moderne - sie waren die Ersten, und sind in vielen Bereichen immer noch die Ersten...

Der Name der Stadt leitet sich vom biblischen Vers "Als Erster verkündige ich Zion (...) und Jerusalem widme ich einen Freudenboten" (Jessaja 41:27) ab.

Viel gab es 1882, als die Stadt von osteuropäischen Einwanderern gegründet wurde, jedoch nicht zu frohlocken - ausser Sanddünen und Wüstenwind gab es hier nichts, nicht einmal Wasser. Und so arbeiteten die ersten Siedler im Schweisse ihres Angesichts, die Wüste zum Leben zu erwecken...

Das Glück sollte sich jedoch bald zum Guten ändern, aufgrund zweier Entwicklungen: Zum ersten wurde eine Wasserquelle gefunden, und zum zweiten entschloss sich der Baron Edmond de Rothschild 1887, hier einen Weinkeller aufzumachen, den ersten im modernen Israel - es war der Anfang des Carmel-Weins, den es bis heute noch gibt, und der nichts von seinen Ruf verloren hat...

                                                         Wasserquelle

                                              HaRishonim-Park - hier stand der Weinkeller


Damals zählte die Bevolkerung knapp 400 (im Vergleich: heute sind es 250.000), und nahm in vielen Bereichen Pionierstellung ein: So war der spätere erste Premierminister Israels, David Ben-Gurion, Vorsitzender der Weingewerkschaft. Der Pionier des modernen Hebräischen, Eliezer Ben-Yehuda, unterrichtete hier, in der ersten Hebräisch-sprechenden Schule, noch vor der Staatsgründung. Und auch die Synagoge war einer der ersten und imposanten der modernen jüdischen Gemeinde in Israel vor der Staatsgründung:
                                       Synagoge, 1890 gegründet, neben der ersten Hebr. Schule

Und heute? Rishon wächst aufgrund seiner Meeresnähe, den verhältnismässigen günstigen Häuserpreisen, seiner idealen Lage zwischen Tel Aviv und Jerusalem, und vor allem seinem reichhaltigem Angebot an Kultur und Freizeit, sowie der zahlreichen Arbeitsmoglichkeiten, ständig. Von den Sanddünen der Vergangenheit sieht man wenig - stattdessen wird ein Hochhaus nach dem nächsten gebaut, ein Riesen-Kino-Complex ("Cinema City") läuft bereits, IKEA gibt es auch - aber auch die alte Kultur gibt es noch - so hat RashLaZ ein Symphonieorchester mit Weltruhm, und eine Altstadt - den Rothschild-Boulevard, bennant nach dem Weinkellergründer - wo man sich die Geschichte des alten Rishons in einer wunderschonen Fussgängerzone passieren lassen kann, während man sich auch vom neuen Rishon beeindrucken lassen kann.

Zum Abschluss zwei Bilder vom Rothschild-Boulevard, und ein Bild des alten Shuks (Gemüsemarkts), der seit der Staatsgründung exitstiert, und bis heute noch frequentiert wird:

                                              Rothschild-Boulevard

                                            Altes Rathaus


Der Gemüsemarkt


Kurzum: Rishon LeZion - die Ersten von Zion, immer noch die Ersten

Bilder und Text: Rosebud

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