Sonntag, 13. März 2022

Fröhliches Purimfest!

 

 

 


Ab Mittwoch Abend und Donnerstag den ganzen Tag (in Jerusalem Donnerstag Abend und Freitag den ganzen Tag) wird in Israel und der jüdischen Diaspora Purim gefeiert.


Hier etwas Hintergrund:


Das Purimfest (von hebräisch Pur = Los) wird am 14. Adar des Jüdischen Kalenders,. Purim ist ein Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr in der persischen Diaspora erinnert. Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, hatte damals vor, die gesamten Juden im Perserreich an einem Tag zu ermorden. Königin Ester führt jedoch durch Fasten und Gebet die Rettung herbei.

In der Synagoge wird aus diesem Anlass gefeiert, wobei es meist nicht übermäßig ernst zugeht; der ganze Ablauf zielt auf Freude. Dabei wird auch die Festrolle des Buches Ester vorgelesen.
 Vorlesen der Esther-Rolle

Immer wenn der Name Haman fällt, wird von den Anwesenden Tuten, Rasseln und Ratschen so viel Lärm wie möglich gemacht. Dies beruht auf dem religiösen Befehl den Namen Amaleks, Hamans Vorfahr, zu löschen, nachdem Amalek Israel auf dem Weg zum Gelobten Land behindert hat. Sein Name wurde damit zum Symbol der Judenfeindschaft.

Weitere Traditionen sind die Verkleidung, Almosen geben sowie so viel Alkohol zu trinken bis "Adladya", d.h. bis man nicht mehr unterscheiden kann zwischen den Guten und den Bösen der Geschichte. 

In religiösen Gegenden gibt es zudem einen "Purim-Tisch", wo der chassidische Rabbi mit seinem Gefolge singt und tanzt - es geht rund!

Wie das ganze dieses Jahr ausschaute? Das wird man bald auf unserer Facebook-Seite sehen.
Bilder und Text: Rosebud

Montag, 7. März 2022

MyHeritage - High-Tech und Familienstammbaum

 

 

                                            My Heritage Hauptquartier in Or Jehuda, Israel


Or Jehuda

Or Jehuda ist eine verschlafene Kleinstadt südlich von Tel Aviv. Im Gegensatz zu Tel Aviv, Jerusalem und Haifa hört man weder im Ausland noch in Israel selten von ihr, und wenn, dann eher Kurioses, wie die Verbrennung von Neuen Testamenten oder die Partnerstadt in Deutschland - Charlottenburg-Wilmersdorf (ja, Or Jehuda hat es nicht einmal geschafft, eine ganze Stadt als Partnerstadt zu haben, stattdessen muss sie es mit einem Stadtteil von Berlin vorlieb nehmen)

Jedoch hat Or Jehuda nicht nur eine lange und interessante Stadtgeschichte, sondern leistet auch Pionierarbeit - so war es eine der ersten Städte, die mit der Bar-Ilan Universität ein Mathematikprogramm für talentierte Gymnasiasten entwickelte (die Kurse an der Uni nehmen können). Auch ist mit Babylon eine der führenden Software-Firmen für Ubersetzung in Or Jehuda.

Ja, und dann ist da MyHeritage.


Israelische Chutzpe und deutsche Gründlichkeit


Wir schreiben das Jahr 2004. Gilad Japhet, der ein Jahr zuvor MyHeritage, eine Geneologie-Webseite in Or Jehuda gegründet hat, fliegt zu einer deutschen Start-Up-Firma nach Dresden, die eine Gesichtserkennungs-Software entwickelt hat. Der deutsche Gründer ist bereit, sie für 250.000 Euro zu verkaufen. "Ich biete Ihnen dafür 0 an", sagt Japhet - und erhält die Software.

Denn statt Geld gibt er der deutschen Start-Up, die die Software für Anti-Terror-Maßnahmen entwickelt hat, etwas viel Besseres: eine Datenbank von anonymen Gesichtern in verschiedenen Altern. "Bei uns in der Geneologie hinterlegen Menschen Fotos ihrer Oma im Alter von 6 bis 90", erzählt Japhet seinen Kollegen (und erinnert sich daran in einem Interview mit "the Marker") "und somit kann man daraus ein Alogrithmus entwickeln, mit dem man ungefähr schätzen kann, wie ein Terrorist, der beispielsweise 5 Jahre nicht gesehen wurde, heute ausschaut."

Zwischen Archivarbeit und High-Tech


MyHeritage hat ein sehr ungewöhnliches Konzept: einerseits basiert es auf Archivarbeit, alten Dokumenten und vergilbten Fotos - und, auch da sind sie Pioniere Fotografien von Grabsteinen.

Andererseits ist es eine High-Tech-Firma, die Algorithmen und in Web- und Handyversionen neuester Flash-Technologie Stammbaume entwickelt, Gen-Test analysiert, und ein Teil der "Big Data"-Revolution ist. 

Und genau die Mischung macht es! So hat MyHeritage über eine Milliarde Users weltweit, ist in 42 Sprachen erhältlich und verfügt über mehr als 6 Milliarden historische Aufzeichnungen. Vertreter von MyHeritage fahren in die entferntesten Ecken der Welt, um Stämme zu dokumentieren, die vom Aussterben bedroht sind. 

MyHeritage kauft ein

Und heute? MyHeritage hat inzwischen verschiedene Zweigstellen in Israel, und auch in Amerika. Es konnte seinen grössten Konkurrenten (Geni) aufkaufen, sowie ein Abkommen mit dem dänischen Nationalarchiv abschliessen. 2013 gewann MyHeritage den 1. Platz als eines der aussichtsreichsten israelischen Start-ups. Und heute, 2021, wurde MyHeritage von Francisco Partners für sage und schreibe 600 Millionen Dollar gekauft. Und das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft.

Bild: Public Domain
Text: Rosebud

Mehr dazu auf unserer Facebook-Seite 

Dienstag, 1. März 2022

German Colony - in Haifa

 

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In Haifa - wie auch in Tel-Aviv und Jerusalem gibt es sogenannte "Deutsche Kolonien" (Moshawa Germanit). Dabei handelt es sich um Gegenden, die im 19. Jahrhundert von deutschen Tempelgesellschaften, also religiösen Christen, die sich im Heiligen Land ansiedelten, erbaut worden. Wie im Bild oben ersichtlich, war die Bauweise sehr europäisch: Rotes Kacheldach und klare architektonische Formen.


Am Eingang gravierten die Templer oft biblische Zitate ein.

Und so lebten die Templer friedlich im Lande Israels, beteten viel und betätigten sich hauptsächlich der Landwirtschaft.

Bis - ja, bis die Nazis an die Macht kamen. Die Mehrheit der Templer begeisterten sich an der NSDAP und eröffneten sogar Ortsgruppen im damaligen Mandatsgebiet Palästina. Hitlerjugend im Judenstaat!

Die meisten Templer wurden in den darauffolgenden Jahren des Landes verwiesen. Ihre wunderschönen Gebäude blieben aber erhalten, und sind immer einen Besuch wert.

Bild & Text: Rosebud

Dienstag, 22. Februar 2022

Coca-Cola-Fabrik in Bnei Brak

 

                                           Coca Cola Fabrik, Bnei Brak, Israel

Denkt man an Bnei Brak, der ultra-orthodoxen Stadt bei Tel Aviv, dann denkt man an religiöse Männer mit schwarzen Hüten, an Frauen in langen Kleidern und einer Schar von Kindern, bei denen die Schäfenlöckchen im Wind wehen...

Man denkt aber nicht an einer der erfolgreichsten Industrieanlagen der Softdrink-Welt: Coca-Cola. Zu Unrecht.

Die Coca-Cola-Fabrik in Bnei Brak wurde 1949 aufgemacht, was sie zu einer der ältesten ihrer Art macht, die immer noch in Betrieb ist. Das war ein Jahr nach der Staatsgründung Israels. Seit damals hat sich die politische und kulturelle Situation des Landes auch auf die Fabrik ausgeweitet: So schaffte die Fabrik, den arabischen Boykott auf in Israel hergestellte Güter der 60er und 70er Jahre zu überstehen. Auch 1973, dem Jahr des Yom-Kippur-Krieges, war die Fabrik aktiv, und arbeitete trotz dem Einzugs der meisten Mitarbeiter in die Armee - nicht nur das, sie stellten zum ersten Mal Literflaschen her, die auch an die Front geschickt wurden. Während der ersten Intifada (1987-1993), als in Ramallah eine Konkurrenzfabrik eröffnet wurde, konnte die Bnei-Brak-Fabrik mit einem Trick den Weltmarkt wieder erobern: Sie stellten zu Pessach eine spezielle "koscher für Pessach"- Linie her, die von jüdischen Gemeinden überall auf der Welt wie heiße Semmeln, ähm natürlich Matzen, konsumiert wurden. Ab 1991, in dem Jahr, als Scud-Raketen aus Irak auf Israel herunterkamen, steht Coca-Cola unter der Koscher-Aufsicht und den Segen von Rav Landau...

Und heute: Die fast 3000 Mitarbeiter der Fabrik stellen mehr als 1,5 Millionen Produkte pro Tag her, was die Fabrik zu einer der 10 erfolgreichsten Coca-Cola-Fabriken weltweit macht. Natürlich hat auch der Trend des Recyclings vor der Fabrik nicht haltgemacht, und die Herstellung erfüllt alle Bedingungen des Umwelt- und Gesundheitsministeriums sowie weltweite Regulierungen.

Dann bleibt nur noch übrig, zum nächsten Supermarkt zu gehen. Oder noch besser: Nach Bnei-Brak zu fahren, und dort eine Tour durch die Fabrik machen - etwas, dass Groß und Klein immer entzückt!

Bild und Text: Rosebud

Mehr zu Coca-Cola in Israel gibt es auf unserer Facebook-Seite

Sonntag, 13. Februar 2022

Ode an "Schkedei Marak" (was das ist? Weiterlesen!)

 

 
                                                        Shkedei Marak

Suppenwürfel sind es nicht, Croutons auch nicht - daher gibt es wohl nur das Hebräische Wort: Shkedei Marak.

Insbesonders jetzt, in der Winterzeit, ist es bei Israelis groß und klein hochbeliebt - egal, ob zu jemenitischer Supper, zu polnisch-jüdischer Hühnersuppe oder einfach so - direkt in den Mund. Es ist einfach das "gewisse Etwas", lokal produziert und liebend gerne konsumiert.

Und das von allen Sektoren - vom Kibbutzkollektiv zur Stadt, von Ultraorthodox bis ganz säkular - bei Shkedei Marak gibt es keine Unterschiede.

Na denn: Bete Avon (Guten Appetit)

Sonntag, 6. Februar 2022

Kulinarische Winterspezialität, in Israel sehr beliebt: Kugel

 

Heute mal ein Rezept für die Geniesser osteuropäisch-jüdischer Cuisine, in Israel sehr beliebt, vor allen als Vorspeise am Schabbat.

 
  
Man nehme:
 
-3-4 Eier
-Spaghetti
-Sahne
-Zucker
-Pfeffer
-Rosinen
-eine Aluminiumform
 
Als erstes werden die Spaghetti in einem Topf zubereitet (so, als ob man ein Pastagericht macht). In der Aluminiumform werden die restlichen Zutaten vermischt: Je nach Geschmack kann man den Akzent auf den Pfeffer oder auf den Zucker legen. Die Pasta wird hinzugegeben, und das ganze wird bei ca. 180 Grad für eine ¾ Stunde gebacken, bis es oben goldbraun ist. Die „Kiegel“, manchmal auch "Kugel" genannt, ist dann beständig wie ein Kuchen, aber man kann durch sie mit dem Messer wie durch Butter schneiden. Anschließend kann man die „Kiegel“ mit Zimt garnieren. Et voila!
 
 
                                  Kugel/Kiegel
 
 
„Kiegel“ eignet sich wunderbar als Vorspeise, als Beilage und als Nachspeise. Sie kann heiß, oder im Kühlschrank abgekühlt kalt serviert werden. Auch hält sie sich relativ lange: Im Kühlschrank kann man sie eine Woche aufbewahren, auf einer Wärmeplatte 24 Stunden lang (was insbesonders in religiösen Kreisen osteuropäischer Juden am Samstag Tradition war und ist).
 
Schlußbemerkung: Es wurde noch nie eine „Kiegel“ gesehen (auch keine "Kugel"), die die Form einer Kugel hat – meistens ist sie rechteckig. Das einzige, was wirklich wie eine Kugel aussieht, ist der Bauch nach dem Verzehr – daher wohl der Name...
 
Bilder und Text: Rosebud

Donnerstag, 3. Februar 2022

Königin der Instrumente, Töne der Schöpfung - die einzige Orgelwerkstatt in Israel stellt sich vor

 

                                       Uri Shani, neuer Leiter der Orgelwerkstatt in Yuvalim, Galiläa, Israel


Ein Traum

"Mein Traum ist es, eine Orgel zu bauen - von der ersten Skizze bis zur wunderschönen Musik, die aus den Pfeifen klingen wird", so sagt Uri Shani, der ab 2022 die einzige Orgel-Werkstatt in Israel übernimmt (bis dato wurde sie jahrzehntelang von Gideon Shamir geleitet).

Shani, gebürtiger Schweizer und in seinem bisherigen Leben als Übersetzer, Theaterregisseur und -lehrer, Journalist und politischer Aktivist (nicht unbedingt in der Reihenfolge) aktiv, hat eine familiäre Beziehung zur Orgel: Der Vater seiner Urgroßmutter Johanna Manheimer geb. Sarasohn war Jakob Sarasohn, der Oberkantor der Synagoge Stettin. Er arbeitete mit dem Rabbiner Vogelstein und dem Organisten Lehmann, und komponierte auch für die Orgel. Uris Urgroßmutter, seine Tochter, war im Mädchenchor der Synagoge, der von der Orgel begleitet wurde.

Uri selbst hat als Kind Musik gelernt, auch Orgelspielen. 

Es war Liebe - vielleicht nicht auf dem ersten Blick (oder Klang), aber dafür mit umso großer Begeisterung.

                                            Orgel, Uri Shani und Gideon Shamir (vlnr)

Das Kircheninstrument konvertiert zum Judentum - und macht Alijah

Denkt man an Orgeln, denkt man an Kirchenmusik, vor allem des Mittelalters - und an Europa. 
Vielleicht wird es Zeit, das zu überdenken - denn seit Jahrhunderten werden Orgeln auch in Synagogen benutzt, vor allem des Reformjudentums, aber auch in orthodoxen Synagogen (wo am Schabbat wegen des Verbots die Pfeifen mit einem Tuch verdeckt wurden). Denn Musik und Liturgie war und ist wichtiger Teil auch des Judentums.

Auch ist die Orgel seit langem nicht nur exklusiv europäisch. Die "neue Welt" (Amerika) erobert sie bereits seit 100 Jahren, und den Nahen Osten. In Israel gibt es bereits Dutzende Orgeln, meist in Kirchen, aber nicht nur. 

Und es gibt nur einen einzigen Orgel-Bauer in Israel - und das war für ein halbes Jahrhundert Gideon Shamir, und ist jetzt Uri Shani.

Eine Anekdote


In dem Video (ab 2:22, Hebräisch mit deutschen Untertitel) erzählt Gideon Shamir eine schöne Anekdote: die große Synagoge Tel Avivs (Beit HaKnesset HaGadol) hätte eine Orgel bekommen sollen. Er machte sich sehr viel Mühe, der Orgel ein jüdisches Antlitz zu geben - so waren im Modell die Pfeifen auf der rechten Seite wie die Menora (der Leuchter des Tempels in Jerusalem) angeordnet und auf der linken Seite wie die zwei Gesetzestafeln der Zehn Gebote.

Wunderschön - nur, das Projekt wurde nie ausgeführt. Warum, das kann man im Video erfahren.

Besucherzentrum



Die Orgelwerkstatt, gelegen im pastoralen Galiläa, ist etwas Einzigartiges und auf jeden Fall einen Besuch wert. Es gibt auch ein Besucherzentrum, wo Uri Shani "Kaffee we-Ugav" serviert - ein Wortspiel, denn Kaffee we-Uga ist Kaffee und Kuchen, mit dem zusätzlichen Buchstaben ist es "Kaffee und Orgel". 

Am Besten per E-Mail: abumidian@yahoo.de oder über das Kontaktformular der Webseite des Orgel-Workshops: https://ugavim.com/kesher/


Mehr zum Orgelworkshop von Uri Shani gibt es auf unserer Facebook-Seite