Sonntag, 27. April 2025

Mit 77 Jahren - da fängt das Leben / die israelische Unabhängigkeit an!

 

Happy Birthday Israel!

 

Ab Mittwoch Abend, und Donnerstag den ganzen Tag feiert Israel einen Schnappzahl-Geburtstag, nämlich 77 Jahre! 

Nach den Feuerwerken, und vielen Konzerten schläft man sich in Israel am Unabhängigkeitstag erst einmal aus. Um 11 Uhr fingt das traditionelle internationale Bibelquiz an, über das Uri Zohar und Arik Einstein einen fantastischen Sketch machten! (Gibt es auf unserer Facebook-Seite)


Und danach gibt es MANGAL (=BBQ). Es wird in allen Parks, in allen Ecken gegrillt, was es hergibt . Soviel wird gegrillt, dass einige den Unabhängigkeitstag "Yom Haatzmaut" in "Yom Haatzamot" (Tag der Knochen, denn das ist das einzige, was am Ende des Tages vom Fleisch noch übriggeblieben ist) unbenannt haben. Metzger und Kohlehändler haben dann Hochkonjunktur! Aber auch Vegetarier müssen an dem Tag nicht auswandern: Inzwischen gibt es auch vegetarische, und sogar vegane Mangal.
 
                                         
                                              die vegetarische Variante

Danach gibt es erst einmal eine Siesta - oder alternativ, türkischen Kaffee mit Kardamon und dazu Waffeln.

Am Abend dann wird der Israel-Preis verliehen und es laufen Klassiker israelischer Filme im Fernsehen.

Dazu hat sich in letzter Zeit die Satiresendung "Erez Nehederet" gesellt, deren Slogan auch diesen Unabhängigkeitstag gilt: Yesh lanu Erez Nehederet - Wir haben ein wundervolles Land!

Happy Birthday, Israel!

Bilder und Text: Rosebud
Mehr Bilder vom Unabhängigkeitstag und Videos - gibt es auf unserer Facebook-Seite

Donnerstag, 24. April 2025

"The Jiddisch Majdel killed him" - die jüdische Tänzerin, die blutige Rache an den Nazis verübte

 

 

Die Rache der Ballerina


"Zieht Euch aus!", ruft SS-Oberscharführer Josef Schillinger der Gruppe Frauen zu, die gerade in Auschwitz angekommen sind. Eine davon, eine ausgebildete Tänzerin, macht daraufhin eine erotische Striptease-Performance. Schillinger schaut ihr mit lechzender Zunge zu. Plötzlich nimmt sie ihren Stöckelschuh und bohrt den Absatz in seine Stirn. Der SS-Oberscharführer sinkt zu Boden.

Die Tänzerin greift sich seine Pistole, und schiesst auf zwei weitere SS-Männer. Die anderen Frauen folgen dem Beispiel, und stürzen sich auf die Nazis, nach Berichten zufolge schaffen sie es, einen zu skalpieren, und einen anderen die Nase aus dem Gesicht zu reissen. Dann aber kommt vollbewaffneter Nachschub der Nazis, mit auf die Frauen gerichtete Maschinengewehre. Die Tänzerin, die sieht, wie aussichtslos die Situation ist, nimmt die Pistole, die sie vom ersten SS-Mann entwendet hatte, setzt sie an ihre Stirn - und drückt ab...

Inglorious Ballerina Basterd - die Geschichte von Francesca Mann 

Was wie eine Szene aus einem Tarantino-Film klingt - so in etwa "Kill Bill meets Inglorious Basterds", beruht auf wahren Begebenheiten - es ist dies die Geschichte von Francisza Mann, einer 1917 in Polen geborener Jüdin, die bereits in jungen Jahren (zur Zeit ihres Todes war sie 26 Jahre alt) bereits eine Karriere als Ballerina für sich geschaffen hatte. Als zusätzliche Einnahmequelle tanzte sie in Nachtclubs, wo sie wohl das Ablenkungsmanöver des Stripteasetanzes ebenso lernte, und auch, wie man sich lästige Männer weghält...



Diese Geschichte wäre wohl in Vergessenheit geraten, hätte sich nicht, wie in "Haaretz" berichtet  2019 das "Jerusalem Ballet" sich - wie passend! - durch ein Ballett sich ihrer erinnert. Die Choreografin Nadja 
Timofeyevasagte dazu folgendes: 

„Nachdem ich die Geschichte gehört hatte, fühlte ich mich sofort mit Franceska Mann verbunden und konnte mich in ihre Lage versetzen. Ich wusste, wie sie sich bewegen würde. Im Grunde wurde ich zu ihren Füßen. In den letzten neun Monaten, während ich am Ballett arbeitete, war ich Teil ihrer Geschichte.“

Hoffnung

"Wenn er (Schillinger, für seinen Sadismus und seine Brutalität berüchtigt) durch ein jüdisches Mädchen getötet werden konnte - dann ist nicht alle Hoffnung verloren." 

So sagt einer der Auschwitz-Überlebender, der als Zeitzeuge im Dokumentarfilm "Francesca" (Lina Chaplin) über Francesca Mann spricht. 

Timofeyeva fügt hinzu: Eine Ballerina ist eine Kämpferin, denn jeder Tag ist wie ein Krieg (mit dem eigenen Körper)

Die Premiere des Balletts war am 1. September 2019. Das ist der 80. Jahrestag des Beginn des Zweiten Weltkriegs.



Text: Rosebud
Bilder: Public Domain

Mehr zum Thema gibt es auf unserer Facebook-Seite

Sonntag, 20. April 2025

Crembo - es war ein mal ein "Dickmann" (einer anderen Firma) in Israel

 

 

 
                                               Crembo - angebissen und originalverpackt


Trivia


  • Die israelische Version des in Deutschland früher mal politisch unkorrekt als "Negerkuss" und "Mohrenkopf" vermarktete Süssspeise, heute als "Dickmanns" (nach dem Hersteller, aber auch nach dem Resultat, wenn man zuviele ist) bekannt, unterscheidet sich nicht nur dem Namen nach von seinem europäischen Vetter:

  • So ist es koscher (sogar sehr - glatt koscher), laktosefrei und jedes Crembo ist originalverpackt (siehe oben). Nebenbei sind die Crembos so empfindlich, dass Roboterarme bei der Verpackung es zermampfen würde. Und so wird jeder Crembo bis zum heutigen Tag per Hand verpackt. (Es gibt übrigens Sammler der Verpackung, die sie nach Genuss des Crembos bügeln und damit die Wand tapetieren - kein Witz!)

  • Den Namen erhielt "Crembo" vom Hersteller Whitman, und heute ist es Teil des Strauss-Imperiums.

  • In der israelischen Ubersetzung ist Crembo die Lieblingsspeise von Harry Potter



Wirtschaft


Crembos warden nur 5 Monate im Jahr hergestellt, nämlich von Oktober bis Februar, da es im Sommer zu schnell schmelzt.Trotzdem werden alleine in Israel 50 Millionen Crembos pro Saison verkauft - und es gibt auch einen Weltmarkt, vor allem in Regionen, wo Exil-Israelis leben.


Koscher


Nachdem Crembo zwei Teile hat - den Schoko-Creme-Teil und den Keks-Teil, erhält jeder Teil eine andere Bracha (Segensspruch). Zudem ist es am Shabbat (Samstag) verboten, die beiden Teile zu trennen - und der Sänger Ahron Razel hat dazu sogar ein witziges Lied geschrieben.

Last but not least:

Videos der Crembo-Herstellung sowie das oben erwähnte Lied gibt es auf unserer Facebook-Seite

Bild: Public Domain
Text: Rosebud

Mittwoch, 9. April 2025

Pessach


Auszug aus Ägypten


Ab Samstagabend wird in Israel und der jüdischen Diaspora das Pessachfest gefeiert: Dann gibt es den"Seder": Das ist ein Abendessen mit traditionellen Speisen, wo die "Haggada" gelesen wird, die über dem Auszug aus Ägypten erzählt. Das Hauptmotiv hierbei ist die Freiheit: Die in Ägypten versklavten Juden zogen 40 Jahre durch die Wüste, bis sie im Gelobten Land ankamen - ihrem Land, dem Land Israel.
Diese Geschichte ist inspirierend nicht nur für Juden, sondern für viele Volker. So feiert der amerikanische Präsident Obama seit seinem Amtseintritt das Pessachfest, und erinnert an die Freiheit der amerikanischen Sklaven, u.a.
Pessach markiert auch den Frühlingsanfang: So wie die Blumen wieder blühmen, blühen auch die Menschen wieder auf. Man spürt die Freiheit formlich in der Luft.



           Seder-Tisch



           symbolische Speisen beim Seder


No Brot for you!


Ein weiteres Gebot ist es, 8 Tage Lang kein Brot zu essen, denn das jüdische Volk hatte bei seiner Flucht nicht die Zeit, Brot säuern zu lassen. Und deswegen ist das beim Pessachfest verboten – zwar nicht für 40 Jahre, aber immerhin für 8 Tage. Auch andere Weizenprodukte, die gären, wie Bier, sind verboten.
Damit sind also, wie gesagt, so gut wie alle Bäckereiprodukte tabu. 
Als Ersatz gibt es die Matzen, das sind ungesäuerte Flachbrote (siehe Bild), 
die nicht länger als 18 Minuten gebacken werden dürfen, sonst sind sie gesäuert.
Als Matzen-Aufstrich gibt es Charoset, das ist eine Nuss-Datteln-Paste, die aufgrund der 
Dickflüssigkeit an den Lehm der Sklavenarbeit erinnert. 



          Matzen: So sehen sie aus


A fish they call Gefilte


Zusätzlich gibt es verschiedene traditionelle Gerichte, wobei der „Gefilte Fisch“
 – eine Fischkotelette mit süßer Geleesoße und Karottenscheibe oben – 
das bekannteste ist.


Gefilte Fisch

Wir wünschen allen jüdischen Lesern ein fröhliches Pessachfest und allen anderen fröhliche Ostern. Das "letzte Abendmahl" war, nebenbei, ein Pessach-Seder. Aber dazu vielleicht ein ander Mal.


Fotos und Text: Rosebud

Sonntag, 6. April 2025

Die Hebräische Universität feiert 100 Jahre - Rosenduft gratuliert!

 

                                                  Eintrittskarte zur Eröffnung: kein Aprilscherz


Kein Aprilscherz: Eröffnung am 1. April


Am 1. April 1925 fand eine Veranstaltung statt, die es seinerzeiten kaum vorher gegeben hatte: Der Britische Lord Balfour, Noch-Nicht-Nobelpreisträger Albert Einstein, Noch-Nicht-Präsident des noch-nicht-gegründeten Staates Israel Chaim Weizman - diese und viele andere ehrenwärtige Bürger fanden sich auf einem kleinen Hügel in Jerusalem ein - um dort eine Universität zu eröffnen. Die Hebräische Universität war geboren.

                                              Eröffnungsveranstaltung

Iwri, daber Iwrit: Sprachenkrieg

Aber warum heißt die Hebräische Universität eigentlich "Hebräische" Universität?
Das war ein Resultat der sogenannten Sprachkriege mehr als 10 Jahre vorher - das Technion in Haifa hatte nämlich - Deutsch (ja, ja!) - als Unterrichtssprache, was eine große Opposition in Bewegung setzte - unvorstellbar, dass man im Heiligen Land die Sprache der Diaspora sprechen sollte. Nein!

Und so wurde die HEBRÄISCHE Universität genau auf dem Prinzip der Hebräischen Sprache als Unterrichtssprache gegründet. And the rest is history, wie man so sagt...

Hundert Jahre - und einige Nobelpreise - später

Und heute? Heute hat sich die Hebräische Universität in Jerusalem zu einer der weltweit renommiertesten akademischen Institutionen entwickelt: Schon einige Male haben Professoren der Hebrew U. (oder, wie sie oft liebevoll genannt wird, der "Iwrit") Nobelpreise erhalten, und es sind einige der weltweit renommiertesten Forscher, Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler aus ihr hervorgegangen - und sie zieht weiterhin Studenten und Forscher aus der ganzen Welt nach Jerusalem, auf der Suche nach akademischer Exzellenz.




Heute kann man übrigens auch auf Englisch studieren, aber die Hauptsprache bleibt natürlich - Hebräisch.

Bilder: Public Domain
Text: Rosebud

Mehr zur Hebräischen Universität gibt es auf unserer Facebook-Seite.
                             

Sonntag, 23. März 2025

Ein Flohmarkt der ganz anderen Sorte

 

 
                                           Immer etwas interessantes dabei: Shuk ha-Pishpishim

In Jaffo, gleich vor den Toren Tel-Avivs, findet sich ein wahres Juwel, dass man weder als Tourist noch als Einheimischer verpassen sollte: Die Rede ist vom "Shuk ha-Pishpishim", also Flohmarkt. Er befindet sich nicht weit weg von der Altstadt Jaffos, und auch zum Hafen und zu den bekannten Hummus- und Shakshuka-Restaurants ist es nicht weit weg.

Gegründet wurde der "Shuk ha-Pishpishim" bereits im 19. Jahrhundert, als zur Zeiten des Osmanischen Reiches christliche Pilger dort Kleidung und brauchbare Utilien für ihre Pilgerreise kauften. Auch zu Zeiten des britischen Mandates (1918-1948) blieb der Flohmarkt dort weiter bestehen, und diente sowohl den Briten, als auch Arabern als auch Juden zum Austausch von Ideen und vor allen Wohnungsgegenständen, wie Kaffee- und Teekocher, Plattenspieler, Kochtöpfe etc.

Daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert: Man findet dort beispielsweise "Sifulux", eine gasbetriebenes Glasskanne, die aus Leitungswasser Sprudelwasser macht. In den 70er Jahren war dieses "Sifulux" DAS Hochzeitsgeschenk schlechthin. Heute jedoch ist es nirgendwo zu finden - ausser natürlich im Shuk ha-Pishpishim...

Und genauso findet man noch perfekt funktionerende Kaffeemühlen des 19. Jahrhunderts, Kleidungsstücke von Firmen, die vor 50 Jahren pleite gemacht haben, aber auch moderne Pfannen und Kochtöpfe. Die Atmosphäre ist angenehm und anregend, die Sonne schenkt einem meist ein Lächeln ins Gesicht, und mit ein bißchen Geduld kann man sich dort ein wahres Schnäppchen ergattern.
                                           Alte Leika-Kamera. Auch die gibt es fast nirgendwo sonst.

Und nach einem Spaziergang durch den teils überdachten, teils in der Sonne liegenden Flohmarkt ist es, wie gesagt, nur kurz zu Fuß, bis man den besten Hummus des Landes genießen kann (Ali Karawan) oder einem bei "Dr. Shakshuka" das Wasser im Mund zusammenläuft.

Aber dazu - ein anderes Mal.
                                                                überdachter Teil

Bilder und Text: Rosebud

Dienstag, 11. März 2025

Frühliches Purimfest!

 

Ab Donnerstag Abend ist Purim (in Jerusalem auch am Sonntag).



Hintergrund


Das Purimfest (von hebräisch Pur = Los) wird am 14. Adar des Jüdischen Kalenders,. Purim ist ein Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr in der persischen Diaspora erinnert. Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, hatte damals vor, die gesamten Juden im Perserreich an einem Tag zu ermorden. Königin Ester führt jedoch durch Fasten und Gebet die Rettung herbei.

In der Synagoge wird aus diesem Anlass gefeiert, wobei es meist nicht übermäßig ernst zugeht; der ganze Ablauf zielt auf Freude. Dabei wird auch die Festrolle des Buches Ester vorgelesen.
 Vorlesen der Esther-Rolle

Traditionen

Immer wenn der Name Haman fällt, wirdvon den Anwesenden Tuten, Rasseln und Ratschen so viel Lärm wie möglich gemacht. Dies beruht auf dem religiösen Befehl den Namen Amaleks, Hamans Vorfahr, zu löschen, nachdem Amalek Israel auf dem Weg zum Gelobten Land behindert hat. Sein Name wurde damit zum Symbol der Judenfeindschaft.
Weitere Traditionen sind die Verkleidung, Almosen geben sowie so viel Alkohol zu trinken bis "Adladya", d.h. bis man nicht mehr unterscheiden kann zwischen den Guten und den Bösen der Geschichte. 
In religiösen Gegenden gibt es zudem einen "Purim-Tisch", wo der chassidische Rabbi mit seinem Gefolge singt und tanzt - es geht rund!

Wie das ganze dieses Jahr ausschaute? Das wird man bald auf unserer Facebook-Seite sehen.

Bilder und Text: Rosebud