Bahai-Garten in Haifa: 100% symmetrisch
Verkehret mit allen Religionen in Herzlichkeit und Eintracht, auf daß sie Gottes süße Düfte von euch einatmen. Hütet euch, daß euch im Umgang mit den Menschen nicht die Hitze törichter Unwissenheit übermanne.“
So steht es in den Schriften von Baha-Ullah, dem Gründer der Bahai-Religion, dessen Tempel, Gräber und heilige Stätten in Israel, genauer gesagt, in Haifa und Umgebung ihr Zentrum haben. Am Bekanntesten sind natürlich die Gärten (siehe Bild oben), die zwar ausschauen, als ob sie vom britischen Königshaus adaptiert wurden, so symmetrisch und harmonisch sind sie, die aber ihren Ursprung - wie Bahai überhaupt - in Persien haben...
Bab und Babismus
Bahai ist eine moderne Religion. Ihren Anfang hatte sie mit dem "Bab" (Tor), einen iranischen Muslim aus Shiraz (Iran), der am Abend des 22. Mai 1844 den Anspruch einer göttlichen Offenbarung gab, und sich den Titel "Bab", gab, da er sich als Tor zu Gott sah - dabei greift er den schiitisch-eschatologischen Begriff des „Bab“ auf. Bab versammelte bald viele Anhänger um sich, die "Babismus" praktizieren, damals noch im Rahmen des Schiismus.
Doch bald richtete sich der Mainstream- Schiismus gegen den Bab und seine Anhänger - er wurde 1850 öffentlich erschossen, seine Anhänger verfolgt.
Baha'ulla - und Bahai
Sein Nachfolger, Baha'ulla, der Babismus in Richtung Mystizismus weiterentwickelte, und die Religion immer mehr vom Islam entfernte, wurde ebenso verfolgt - zuerst musste er nach Bagdad fliehen, dann nach Istanbul. Aber auch das osmanische Reich war ihm nicht freundlich gesonnen - und wurde in das heutige Israel verbannt, wo er 1892 verstarb. Sein Schrein, in Akkon in Galiläa, ist heute der wichtigste Schrein der Bahaii-Religion, ein Wallfahrtsort und es bestimmt die Gebetsrichtung.
Während der mehr als zwanzig Jahre, die der Bah'ulla vor seinem Tod in Galiläa verbrachte,entstand der größere Teil des umfangreichen Schrifttums Baha'ullahs, worin die grundlegenden Lehren der neuen Bahaii-Religion ausgeführt werden, insbesondere der Gedanke der Einheit der Menschheit und die Versöhnung der Religionen. Hinzu kommen Religionsgesetz und Gemeindeordnung. Der wichtigste Text der Bahai ist das sogenannte Heiligste Buch, aus dem Jahr 1873.
Und heute?
Weltweit gibt es 5 bis 8 Millionen Anhänger der Bahaii-Religion. Wie gesagt ist das Zentrum im Norden Israels. Der Schrein des Babs ist die Kuppel in den Bahaii-Garten Haifas, wohl eines der Hauptattraktionen der Stadt - wobei die meisten Touristen sich eher für die Gärten als für den Schrein interessieren...
Die Gärten liegen auf einer Anhöhe, die Teil der biblischen Carmel-Gebirge sind, wo u.a. der Prophet Elisha aktiv war. Am Fuße der Anhöhe fängt die "German Colony" an, eine weitere Tourismusattraktion. Somit hat die Lage der Bahaii-Tempel in sich die Lehre des interreligiösen Dialogs gut integriert - und natürlich ist Haifa auch die Stadt, wo Juden, Christen und Muslime weitgehend in Harmonie leben.
Bild und Text: Rosebud
Rosenduft: wohlriechendes und bemerkenswertes , (h)eilige und un(h)eilige Gedanken aus dem heiligen Land
Sonntag, 2. November 2014
Dienstag, 28. Oktober 2014
Filmtipp: Das Shakshuka-System
Ein Beispiel aus
Israel zeigt, wie sich private Familien staatliche Ressourcen aneignen und sich
zu Lasten der Bevölkerung daran bereichern.
Der Journalist Micki Rosenthal: Inzwischen in die Politik gegangen
Sammy Ofer: inzwischen verstorben
Eines Morgens las
der israelische Journalist Micki Rosenthal eine kleine Nachricht in der
Zeitung: Dort wurde bekanntgegeben, dass Sammy
Ofer, israelischer Milliardär und einer der reichsten Männer der
Welt, dem Stadtmuseum Tel-Aviv 20 Million Dollar spendet. „Das ist doch
eigentlich eine sehr nette Geste“, hört man den Kameramann zu Beginn des
Dokumentarfilms „Das Shakshukah-System“ sagen. Micki
Rosenthal jedoch wittert etwas Unreines. „Die Ofer-Brüder (Sammy und Juli Ofer)
würden nie etwas umsonst hergeben.“
Und er behält
recht: Als Gegenleistung zu seiner Spende (die dem Wert eines halben
Museumsflügel entsprechen) verlangt Ofer, dass das stadtliche Museum auf seinen Namen unbenannnt werden würde.
Mehr noch: In einer leicht übersehbaren Klausel wird festgelegt, dass die
Ofer-Familie bei Fragen, die das Grundstück des Museums betreffen, ein Mitspracherecht haben müssen.
Diese Methode hat
Programm bei den Ofers: Bei fast allen privatisierten Ressourcen des Staates
kauften sie sich prozentweise zu Schleuderpreisen ein, oft mit Hilfe von
illegalen Insidertipps oder Angeboten, die sehr nach Bestechung rochen (so
arbeiteten Mitarbeiter der Regierung, die den Ofer-Brüdern halfen, später oft für
ein besseres Gehalt bei ihnen). Anschließend führten sie diese Betriebe zu
riesigen Profiten, von denen sie ihren festgelegten Anteil an den Staat aber nie
abführten. Wie ein trojanisches Pferd übernahmen die Ofer-Brüder dann selbst
Betriebe, bei denen sie nur zu einem kleinen Prozentsatz eingekauft hatten:
Salzwerke am Toten Meer, Ölraffinerien, Hafenwerke, staatliche Medien etc.
Der Anwalt der
Ofers (Ram Caspi) hat das mit dem Kochen von Shakshuka, einem Gericht, bei dem
Spiegeleier in eine Tomatensoße hineingerührt werden, verglichen. Der Geschmack
der Tomatensoße –des Staates- wird da fast unmerklich von dem Geschmack der
Spiegeleier –der neuen Privatbesitzer- dominiert, bis nichts mehr von ihm
übrigbleibt. „Beachte meine Handbewegung“, meint der Staranwalt noch und macht
eine Kreisbewegung. Er bereitet dieses Gericht nämlich vor, sämtlichen
rechtlichen Hindernissen zum Trotz.
Shakshuka
Für die Arbeiter
hat dieses „Shakshuka-System“ nichts Gutes zu bedeuten: Hafenarbeiter wurden
durch billige Fremdarbeit ersetzt, bei den Salzwerken wurden Tagelöhner
eingestellt, die auf dem Papier gar nicht existieren und für 12-14 Stunden am
Tag einen Hungerlohn bekommen - und der Rest kuscht oder wird gefeuert.
Kaum hat man
diese schwere Mahlzeit verdaut, wird noch mehr Pfeffer in das Shakshuka –und
unsere Augen- gestreut: Sammy Ofer gibt eine Spende von drei Millionen Shekel (ca.
750,000 EURO) für Krebspatienten. Auch hier hebt Micki Rosenthal – und nicht
nur er- eine Augenbraue: Der skrupellose Geschäftsmann zuerst Patron der Kunst,
und jetzt auch Patron der Krebskranken?
Ein Blick auf die
Statistik der Betriebe der Ofers macht hier vieles klar: Versäuchte Flüsse,
verunreinigte Luft, nicht eingehaltene Sicherheits- und Gesundheitsvorkehrungen
sowie eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Krebs-, Unfruchtbarkeits-,
Lungenkrankheits- und Asthmavorfällen sind alles Beiprodukte der Ofer-Betriebe.
Im Vergleich zu den Kosten, die die Ofers zahlen müssten, um diese Betriebe
nach den Richtlinien in Stand zu halten, ist die Spende nicht mehr als
Wechselgeld – und gibt zudem eine PR, die preislos ist. Und auch das Gewissen
ist beruhigt.
Micky Rosenthal ist nach diesem Film in die Politik gegangen, und sitzt als Vertreter der Arbeiterpartei in der Knesset. Die Ofer-Brüder sind bereits verstorben, aber ihre Nachkommen kochen weiter Shakshuka. Durch
Vetternwirtschaft und aufgekaufte Proteges haben sie es geschafft,
ihre Kontrolle auszuweiten. Der Geruch des Ofer-Spiegeleis liegt in der Luft,
oder genauer gesagt: Es richt nach faulen Eiern.
Text: Rosebud
Sonntag, 19. Oktober 2014
Ende einer Legende: Zum 5. Todestag von Dudu Topaz
Der israelische
Thomas Gottschalk war in Ungnade gefallen. Jetzt erhängte er sich im Gefängnis.
Die Geschichte
von Dudu Topaz liest sich wie „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“:
Auf der einen
Seite war der israelische Showmaster verschiedener TV-Programme der „König der
Quoten“, der einmal sogar eine Einschaltquote von 51% erzielte. Er
moderierte meist seichte
Unterhaltungsprogramme mit vielen Prominenten, Interviews, Musikeinlagen und
ein paar Sketchen – sozusagen „Wetten, dass …?“ ohne Wetten. Topaz wirkte dabei
wie ein israelischer Thomas Gottschalk – er lächelte gerne, sang oft mit und
versuchte, niemandem bei den Interviews zu nahe zu treten.
Topaz hatte
jedoch auch eine andere, dunkle Seite: So beleidigte er bereits 1981 bei einer Wahltagskundgebung nordafrikanische Juden, die er als
„Chach-Chachim“ (ungefähr: arabischer Müll) und Wehrdienstverweigerer bezeichnete.
Diese Episode beendete beinahe seine Karriere. Sein Fernsehprogramm wurde
abgesagt, Auftritte gekündigt, und Topaz verließ zeitweise sogar das Land.
Dann kam in den
90er Jahren das Comeback, das man wohl mit dem Comeback Thomas Gottschalks bei
„Wetten, dass …?“ vergleichen kann. Der Moderator wurde sein eigener Nachfolger
und war populärer denn je zuvor. Viele etablierte Prominente unterstützten sein
Programm, das „Ha Rishon ba-Bidur“, also „die Nummer 1 der Unterhaltung“ hieß.
Dieses Format galt zudem als Sprungbett für bis dato unbekannte Talente.
Im Privatleben
von Topaz ging es turbulent zu: Er hatte drei Kinder mit drei Frauen, etliche
Affairen und zusätzlich kursierten Gerüchte hinsichtlich sexueller Belästigung.
Die Zuschauer verziehen es ihm jedoch, wenngleich seine Quote sank – nicht
zuletzt aufgrund der immer wachsenden Anzahl von Fernsehsendern und
Unterhaltungsprogrammen in Israel, oft moderiert von just jenen Talenten, die
vorher in Topazs Show entdeckt worden waren.
Topaz konnte die
Tatsache, dass die neuen Stars ihn an Popularität überholt hatten, nie
überwinden. In einem Interview bezeichnete er sie als „Müll, Scheiße,
Opportunisten“ und fügte hinzu: „Diese Leute warteten früher vor meiner Tür und flehten mich an, dass ich
sie doch bitte in mein Programm bringen könnte. (...) Als ich sie aber brauchte, um etwas Glamour in meine
Show zu bringen, rief mich keiner zurück. (...) Solche Leute sollte man
umbringen.“
Schon bald zeigte
er, dass diese Worte, die eher nach Don Corleone als nach Thomas Gottschalk
klingen, ernst gemeint waren. Die Polizei fand vor ein paar Monaten Beweise,
dass Topaz Menschen aus der Unterwelt
angeheurte hatte, um für ihm feindselig gesinnte Leute vom Fernsehen
brutal zusammenzuschlagen. Nach anfänglichem Abstreiten gestand der in Ungnade
gefallene Showmaster.
In U-Haft
erhängte sich Dudu Topaz in der Dusche (dem einzigen Raum ohne
Überwachungskamera). Es war sein zweiter Selbstmordversuch in der Haft. Vorher
hatte der an Diabetes leidende Showmaster bereits versucht, sich durch eine
Überdosis Insulin das Leben zu nehmen.
Damit geht die
Sage des „Königs der Quoten“ zu Ende. Eine Geschichte voller Intrigen,
Machtkämpfen, Affairen, Erfolgserlebnissen und Niederlagen, mit einer
Hauptperson, deren Persönlichkeit zwischen seichtem TV-Unterhalter,
skrupellosem Herzensbrecher und eiskaltem Mafiaboss hin und her schwankte. Als
Film würde sich die Geschichte von Dudu Topaz sehr eignen. Eines hat es jedoch
nicht gegeben: ein Happy End.
Bildquelle:
Wikimedia Commons
Text: RosebudMittwoch, 15. Oktober 2014
Fröhlicher Feiertag: Simchat Torah
Feierlichkeiten im Kikar Rabin
Heute abend und morgen wird in der jüdischen Welt Simchat Torah gefeiert: Dieses Fest, das sich als "Freude der Torah" übersetzen lässt, wird am 23. Tishrei begangen, und beendet den Monatszyklus von Feiertagen, das mit Hashana - dem jüdischen Neujahrsfest beginnt. An Simchat Torah wird die Vorlesung der Torah (5Rosh Bücher Moses) mit dem letzten Abschnitt des fünften Buches beendet, und sogleich wird mit dem ersten Abschnitt des ersten Buches angefangen.
Es ist Brauch. die Torahrollen in einer Prozession durch die Synagoge zu tragen - mit viel Gesang und Tanz.
Das sieht dann so aus:
Hakafot-Video
Desweiteren werden Fahnen und Früchte an Kinder ausgeteilt, die dann kräftig mittanzen und mitfeiern können. Oft nehmen die Eltern die Kinder auf die Schulter, damit sie die Feierlichkeiten schön sehen können.
Kind mit Flagge bei Simchat Torah
In Israel gibt es eine neuere Tradition: "Hakafot Shniyot" (zweite Hakafot). Der Hintergrund dazu ist folgender: Aus historischen Gründen ist in Israel Simchat Torah einen Tag vor der Diaspora. In den 1940er Jahren, in der Süd-Tel-Aviver "Florentin"-Gegend, entschloß sich Rabbiner Yedidya Fränkel, der damals Oberrabbiner von Tel-Aviv war, am Abend nach dem israelischen Simchat Torah eine weitere Feierlichkeit zu begehen, die "Hakafot Shniyot". Dies sollte für alle Diasporajuden sein, die aufgrund von Verfolgung, Pogromen etc. nicht feiern konnten.
Im Laufe der Jahre kamen mehr und mehr Menschen aus ganz Israel nach Süd-Tel-Aviv, um mit Rabbiner Fränkel Hakafot Shniyot zu feiern.
Heute finden diese Feierlichkeiten im ganzen Land statt, und sind richtige Großereignisse, mit Live-Bands, Feuerwerken, Ehrengästen, und und und. Hier sind ein paar Bilder aus dem Rabinplatz in Tel-Aviv, wo es rund ging, bis in die frühen Morgenstunden:
Es geht rund
Ehrengast: Rabbiner Yisrael Meir Lau
Oberrabbiner Tel-Avivs und
ehemaliger Oberrabbiner Israels
Feuerwerk
Na denn: FRÖHLICHER FEIERTAG/ Chag sameach!
Freitag, 10. Oktober 2014
Ephraim Kishon - ein Rückblick
Ephraim Kishon sel. And.
"Hebräisch kann man nicht lernen. Es ist unmoglich! Das weiss ich jetzt nach vielen Jahrzehnten im Lande. Warum ich es trotzdem gelernt habe? Weil ich damals nicht wusste, dass es unmoglich ist..."
Das Zitat ist von DEM israelischen Satiriker schlechthin, von Ephraim Kishon. Symbolischerweise jähren sich in diesem Jahr einige Daten, die uns - so wie seine Werke - ein trauriges und ein lachendes Auge hinterlassen: So wäre der in Ungarn als Ferenc Hoffmann geborene Kishon in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Und auch eines seiner bekanntesten Werke, der Film "Salach Shabbati" (auf deutsch passend mit "Salach, oder: tausche Tochter gegen Wohnung übersetzt) hat ein Jubiläum, nämlich 50 Jahre für den von Kritikern anfangs gehassten und von Zuschauern weltweit hochgeliebten Film über einen orientalischen Einwanderer nach Israel, der sich gegen die Bürokratie durchsetzen muss, seine Tochter verheiraten will (noch dazu mit einem Kibbutznik, der kein Geld hat! Gespielt vom unvergessenen Arik Einstein) und aus dem Auffanglager für Neueinwanderer endlich in eine normale Wohngegend ziehen will...
Nächstes Jahr (also 2015) gibt es wieder zwei Jahrestage - nämlich den 10. Todestag von Kishon, und den Tag, den Kishon als seine "Wiedergeburt" bezeichnet hat - nämlich seine Einwanderung nach Israel (damals britisches Mandatsgebiet, 1945), nachdem er einige Arbeitslager in Ungarn überlebte...
"Willkommen im Venedig des Nahen Ostens"
Das ist natürlich aus einem von Kishons bekanntesten Büchern, das er auch selbst verfilmt hat - der Blaumilchkanal. Hier fängt ein aus der Irrenanstalt Entlaufener einfach an, in der Mitte von Tel Aviv ein Loch zu bohren - und jeder denkt, das es natürlich ein ganz offizielles Stadtprojekt ist, bis dann Tel Aviv tatsächlich vom Mittelmeer überschwemmt wird, während der Bürgermeister es als "Venedig des Nahen Ostens" bezeichnet.
Hier zeigt sich Kishon als Satiriker schlechthin, der die Bürokratie des jungen Staaten mit einer kräftigen Portion Humor auf die Schippe nimmt. Herrlich, wie beispielsweise die Anwohner auf der Polizeistation wie bei einer Symphonie den Lärmpegel des Bohrens beschreiben, bis sogar der Polizist mitsingt...
"Hier, nimm diesen geschlossenen Umschlag.
- Aber woher weiss ich dann, wen ich wähle?
- Weisst du nicht. Das ist eine Geheimwahl, daher heisst es ja Demokratie..."
Auch dieser Austausch ist von Sallach Shabati, der dieses Jahr sein 50. Jubiläum feiert. Es ist die Szene, wo die politischen Funktionäre versuchen, den Neueinwanderer Sallach zu bestechen - hier die Szene, wo er als "Meinungsmacher" erkoren wird.
Der Film ist inzwischen ein absoluter Kultfilm, der wie kaum ein anderer Themen, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben (orientalische vs. europäische Juden, politische Korruption, Neueinwanderer vs. Sabres, Kibbutzim vs. Stadt, etc.) auf augenzwinkernde Weise thematisiert. Haim Topol, der die Hauptrolle spielt, war nebenbei nur 29 Jahre alt, also halb so alt wie Sallach. Und während er im hebräischen Original mit arabischen Akzent spricht (er ist Einwanderer aus einem arabischen Land wie Marokko oder Irak, im Film wird das Land nicht explizit erwähnt), hat er in der deutschen Synchronfassung ironischerweise einen jiddischen Akzent. Kishon hätte es nicht besser schreiben konnen...
Nebenbei sprach Golda Meir, damals Aussenministerin, 5 Jahre kein Wort mit Kishon oder den Schauspielern - denn im Film wurde gezeigt, wie die KKL (Jewish National Fund) denselben Waldabschnitt unterschiedlichen ausländischen Spendern als deren Spende präsentiert, indem sie das Holzschild x-mal am Tag austauschen. Die Reaktion war eine bedeutsame Reduzierung von Spenden - erst als die KKL Beton- statt Holzschilder aufstellte, ging das Vertrauen wieder zurück.
Seargant Bejarano, ich präsentiere Bo-Bo-Borekas, von meiner lieben Frau Betty zubereitet
Dieses Zitat ist von "The Policeman" (im Original "HaShoter Azulai), ein Film, der liebevoll - mit viel Humor, aber auch viel Gefühl - das Leben eines einsamen, einfach gestrickten Polizisten zeigt. Hier das Lied zum Film.
Ein Tipp zum Schluss:
Aufgrund des Kishons-Jubiläum zeigt das Film-Festival in Haifa eine Retrospektive seiner Filme. Absolut empfehlenswert!
Bild: „Ephraim Kishon, drawing by Chaim Topol“ von Chaim Topol - Chaim Topol. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ephraim_Kishon,_drawing_by_Chaim_Topol.JPG#mediaviewer/File:Ephraim_Kishon,_drawing_by_Chaim_Topol.JPG
Text: Rosebud
Sonntag, 5. Oktober 2014
Israel feiert Laubhüttenfest - Sukkot

Die 10 Busstage sind vorbei, und auch das Fasten und um Versöhnung bitten.
Am Mittwoch fängt Sukkot an, das Laubhüttenfest, das eine ganz andere Stimmung beschreibt: Man sitzt eine Woche lang in der Laubhütte, feiert, singt, isst gute Speisen und trinkt guten Wein - und ist vor allem eines: fröhlich. Denn es ist ein religiöses Gebot, in dieser Zeit glücklich zu sein, unbeschwert.
Natürlich hat das Fest - wie die meisten Feste - sowohl eine spirituelle als auch eine landwirtschaftliche Bedeutung, in diesem Fall der Beginn der Regenzeit, auf die man sich in Israel ganz besonders freut - alles grünt und wächst und blüht, ein wahrer Gaumenschmaus für die Augen.
Auch die vier Arten haben sowohl spirituelle als auch landwirtschaftliche Bedeutung - so symbolisieren sie Augen (Myrthen), Mund (Bachweidenzweige), Rückgrat (Palmzweig) und - am wichtigsten - das Herz (Etrog, eine grosse Zitrone). Hier ein Bild des Herzens:
Das Bild ist vom Film "Ushpizin", der zur Zeit von Sukkoth spielt - "Ushpizin" sind die heiligen Gäste, die man sich in die Laubhütte einladen soll. Leider sind im Falle von Moshe Belanga und seiner Frau diese Gäste alles andere als heilig - sie sind nämlich entflohene Straflinge, die Moshe aus seinem früheren, nicht religiösem Leben kennen.
Wie das alles ausgeht, welche Rolle der Etrog spielt, den die beiden da halten, und was es mit der gestohlenen Sukkah auf sich hat - das wird hier nicht verraten.
Bis dann: Chag sameach/ fröhliches Sukkot!
Bilder: Public Domain
Text: Rosebud
Dienstag, 30. September 2014
Afula - die Hauptstadt des "Emeks"
Im Norden Israels, im "Yizrael-Tal" (hebr. "Emek Israel") in Galiläa liegt Afula. Die Straße, die dort hinführt, heisst "Kvish HaSargel", also "Lineal-Strasse", wohl auch weil sie - anders als die meisten Straßen Israels - fast ohne Abweichungen gerade ist, als ob sie vom Lineal gezeichnet wäre. Bösartige Zungen behaupten, dass die Strasse das Lineal ist, und Afula das Loch des Lineals (wohl aufgrund des nicht so aktiven Nachtlebens). Das täte dieser wunderschönen Stadt, die in eine der pastoralischsten Gegenden liegt, Unrecht.
Der Name "Afula" kommt entweder von arabisch "Al-Fule" (ob es mit "Ful", Bohnen zusammenhängt, ist unbekannt) oder von Althebräisch "O-Fel" (Festung). Archäologische Ausgrabungen zeigen Bevölkerung bereits zu Bronzezeiten. Die Stadt wird namentlich vom syrischen Geographer Yakut al-Hamawi bereits 1226 erwähnt - er spricht dort vom "Kampf um Al-Fule", der 1183 stattgefunden hat. Auch in späteren Zeiten wird Afula öfter erwähnt, insbesonders 1799, als Napoleon die Gegend erobert und den "Kampf um den Tavor" in Afula austrägt.
Seit 1909 ist Afula eine jüdische Stadt - in dem Jahr hat Yehoshua Hankin den Grund für die zionistische Bewegung aufgekauft. Damit ist das moderne Afula genau so alt wie Tel Aviv...
Falafel Golani - Kultcharakter
Und heute? Heute ist Afula vor allem für seine kulinarische Szene bekannt - so gibt es eine ganze Reihe von Imbissbuden und Restaurants, wobei das bekannteste "Falafel Golani" ist - die frischen Zutaten sind hier ebenso Kult wie das Einfülllen der Falafel - die werden jeweils ca. 2 Meter in die Luft geworfen, bevor sie in der Pita landen... Und so kommen Besucher aus dem Ausland und aus sämtlichen Ecken des Landes, um Falafel Golani kennen- und schmecken zu lernen!
"Garinei Afula" - das Original
Am bekanntesten ist Afula aber für seine "Garinei Afula" (geröstete Sonnenblumen- und Wassermelonenkerne) - oft imitiert, aber nie so gut wie das Original - und das Original ist ein kleiner Laden bei der Busstation Afulas, der sämtliche Art von Snacks und Nüsse verkauft, und der - siehe Foto - auch sehr schön ist. Alleine das ist ein Besuch in dem "Nuklear-Powerhouse" (in Hebräisch ist Nuklear und Kern derselbe Wortstamm) wert!
Kurzum: Afula, nicht nur schön, sondern auch schmackhaft!
Landkarte: Public Domain
Bilder und Text: Rosebud
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