Mittwoch, 31. Dezember 2025

גיטר ראש Guter Rutsch ins neue Jahr!

Kurzgeschichte zu Silvester




 

Auf dem Weg zum Lazerett

Ein eiskalter Schneewind weht uns ins Gesicht.„Komm, Gefreiter Udo! Die paar Kilometer schaffen wir noch! Komm, ich trage dich ein paar Meter. Nicht aufgeben...“

1. Januar. 6 Uhr früh.

Endlich zuhause angekommen. So kalt und unangenehm war es ja schon seit Jahren nicht. Und natürlich gab es weder öffentliche Verkehrsmittel noch Taxis. Und dieser Idiot hätte mir schon am Telefon erzählen können, dass er ein gebrochenes Bein hat! Erst einmal ab ins Bett. NIE WIEDER SILVESTER.

31. Dezember. 6 Uhr abends.

„Hallo, Udo. Natürlich können wir etwas an Silvester machen. Ich hatte vor, in Pasing in eine Bar zu gehen, wo ein guter Freund von mir arbeitet. Passt? Dann bis später!“

1. Januar. 1 Uhr nachts. 

Da hinten, im Schnee, liegt Mahmud, ein guter Bekannter. Er muß wohl in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein. Seine Augen sind halbgeschlossen. Aus Nase und Mund tropft das Blut und färbt den weißen Schnee in ein klares Rot. Es tut mir leid um ihn – gleichzeitig hat dieses Bild auch eine seltsame Ästhetik.

1. Januar. 3 Uhr früh.

Ist das alles nur ein Albtraum? So hatte ich mir Silvester jedenfalls nicht vorgestellt – seit drei Stunden laufen wir durch das eiskalte München, mit dem Schneesturm immer im Gesicht. Unsere Körper zittern vor Kälte. Meine Nase und Ohren spüre ich schon seit zwei Stunden nicht. Aus allen Ecken hören wir Explosionen. Da wieder! Beinahe wäre mir dieser Ladycracker ins Gesicht geflogen! Ich muss Udo einen guten Teil des Weges mit seinem Arm um meine Schulter abschleppen, denn er hat ein gebrochenes Bein – was auch der Grund war, dass wir die Bar kurz nach Mitternacht verlassen mussten. Bumm! „Aufpassen, Udo – beinahe hätte dich dieser Feuerwerkskörper erwischt!“ Ich komme mir vor wie in Stalingrad. Die verletzten Soldaten vom Kriegsfeld räumen und ins Lazarett bringen. „Jawoll, Herr Kommandant!“

1. Januar. Mitternacht

Kling! Wir stoßen mit den Champagnergläsern an. Schon witzig: Ein Jude, ein Muslime und ein Atheist feiern das Neujahr, das nach Jesus (angeblicher) Geburt berechnet wird und nach einem Papst namens Silvester benannt ist.Udo, der Atheist, lächelt schüchtern. Heute wird das mit dem Tanzen wohl nichts.




Einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!



Bilder: Public Domain
Text: Rosebud

Eine weitere Kurzgeschichte und vieles mehr gibt es auf unserer Facebook-Seite

Dienstag, 23. Dezember 2025

Fröhliches Weihnachts...ähm, Nittelfest!

 

 

 


                         Weihnachtsbaum oder Schachbrett, das ist hier die Frage!


Morgen, während alle guten Christen zur Mitternachtsmesse gehen und mit der Familie bei einem Festmahl Weihnachten feiern und Geschenke öffnen, sitzt dann jeder vor dem Holzofen und hört sich Großpapas Geschichten an. Und die Straßen sind leer - oder?

Nicht ganz, denn natürlich gibt es sowohl in Europa als auch in Amerika bekanntlich ein paar Minderheiten, die nicht Weihnachten feiern. In Amerika waren das traditionell Juden und Chinesen (also Buddhisten) - und so weiß man sich zu erzählen, dass es eine klassische jüdische Tradition ist, an Weihnachten chinesisch essen zu gehen. Eine weitere Tradition ist es, ins Kino zu gehen - dort trafen sich Juden, Chinesen, Inder und jede nicht-christliche Minderheit, die in Amerika eintraf (und ein paar Atheisten)...

Nittelnacht


Aber noch lange vorher, im Schtetl in Polen, gab es eine andere jüdische Tradition: Das Nittel-Fest. Über die Herkunft des Wortes "Nittel" streiten sich die Forscher. Was klar steht, ist, dass es von chassidischen Juden an Weihnachten gefeiert wurde. Bekanntlich feiern Juden nicht Weihnachten, und so - wohl auch, um sich nicht zu alleingelassen zu fühlen - führten chassidische Rabbiner das Nittel-Fest ein, ein Fest, bei dem man sich ausnahmsweise nicht dem Talmud-Studium widmet, sondern Aktivitäten, zu denen man als religiöser Jude normalerweise nicht die Zeit hat.

Am Bekanntesten hierbei ist das Schachspielen: Man weiß sich zu sagen, dass Chabad-Chassidim bis zum heutigen Tag an Weihnachten/Nittel Schachtourniere durchführen, die oft die ganze Nacht andauern.

In der Nittel-Nacht (so wird Nittel auch genannt), die es bereits seit dem 16. Jahrhundert gab, war das Kartenspielen eine weitere Tradition, mit der sich die jüdischen Gemeinde die Zeit vertrieb, während rundherum aus allen Häusern "Stille Nacht" erklang.

Und so schafften es die jüdischen Gemeinden, auch an dem Tag, an dem sie oft nicht einmal das Haus verlassen durften, viel Freude zu haben.

Heutzutage ist von der Nittel-Tradition wenig erhalten geblieben. Das ist vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass sich die christlich-jüdischen Verhältnisse in den meisten Ländern Europas verbessert haben, und es Juden weder verboten ist, an Weihnachten auf die Straße zu gehen, noch sie sich den ganzen Tag mit dem Talmudstudium beschäftigen, und keine Zeit haben, Schach zu spielen.

In Israel gibt es noch einige chassidische Juden, die ihre Schachtourniere heute abhalten. Und die Christen in Nazareth und Jerusalem feiern natürlich auch weiterhin Weihnachten.

Allen Lesern: Ein frohes Fest heute, was immer es auch sein mag!

Und schon einmal EIN GUTER RUTSCH INS NEUE JAHR

Bilder: Public Domain
Text: Rosebud

Sonntag, 14. Dezember 2025

Chanukkah

 

 
 
Ab heute Abend - und bis nächsten Sonntag am Abend, werden Channukah-Lichtern gezündet. 
Das Fest, das an den Sieg des Makkabäeraufstands gegen die Griechen erinnert, und an die Reinigung des jüdischen Tempels, verbunden mit dem Wunder des Ölkrugs (siehe unten)wird in Israel und der Diaspora für 8 Tage gefeiert. Ein Kurzbericht.


Das Wunder des Öles


An Chanukah wird der Sieg der Makkabäer, einer kleinen jüdischen Rebellionsgruppe, gegen das griechische Imperium gefeiert. Sie konnte den jüdischen Tempel in Jerusalem, der in katastrophalem Zustand und voller griechischer Götzenfiguren war, wieder für sich beanspruchen. Zur Reinigung, die eine Woche dauern würde, benötigten sie allerdings von dem Hohepriester versiegeltes Öl. Sie fanden nur einen Krug, also ein Vorrat für einen Tag. Das Öl reichte aber für 8 Tage – das ist das Channukah-Wunder.

Fest der Lichter

Dieses Wunder wird mit dem Anzünden des 8-armigen Chanukahleuchters gefeiert – jeden Tag wird ein Licht hinzugefügt. Zusätzlich werden fröhliche Lieder gesungen und ölige Speisen gegessen – da es sich um das Wunder des Öls handelte. So gibt es Kartoffelpuffer und natürlich die begehrten Krapfen...
 

Assimilierung oder nicht?

 Denn die Chanukahgeschichte handelt auch von der Assimilation, von den Juden, die sich eher als Griechen denn als Juden sahen.
Es ist die Geschichte jeder Minderheit, die im Spannungsfeld zwischen Ghettoisierung und Assimilation ist. Soll man sich der Mehrheit anpassen? Oder sich ganz von ihr absondern, um seine Kultur auch in der Diaspora aufrecht zu erhalten? Oder gibt es eine goldene Mitte?

FROHLICHES CHANUKAHFEST!

Mehr auf unserer Facebook-Seite.

Sonntag, 7. Dezember 2025

Musik liegt in der Luft (der Heiligen Stadt)

 

 

Schon wenn man sich dem Gebäude der Rubin-Akademie (oder Jerusalem Academy of Music and Dance), die sich neben dem Givat-Ram-Kampus der Hebräischen Universität und der Knesset befindet nähert, dann liegt die Musik förmlich in der Luft: Man hört von draußen Opernsänger ihre Arien erproben, von einem anderen Zimmer die Oud, das Instrument der orientalischen Musik, und beides vermischt sich mit der Klavieruntermalung der Ballettstunde und den Violinisten, die gerade für das Abschlusskonzert proben. Aus all dem ergibt sich eine wunderbare Symphonie zwischen Osten und Westen, die einen einlädt, einzutreten...

So ganz harmonisch waren die Anfänge aber nicht: 1933 wurde die Akademie durch den Geiger Emil Hausner gegründet, Schulleiterin war Jocheved Dostorevsky, eine Pianistin. Die Anzahl der Schüler war klein, Jerusalem hatte andere Probleme, und so blieb die erste Musikhochschule des Landes in ein paar gemieteten Räumen...

Erst 1958, als der amerikanisch-jüdische Philanthrop Samuel Rubin, eine große Spende gab, zog die Musikhochschule, die sich daraufhin "Rubin Academy" nannte, um - und zwar in das Nachbarhaus der Residenz des Premierministers, in Rehavia.

Es sollte bis 1985 dauern, bis die Rubin Akademie in ihr jetziges Gebäude, in Givat Ram umzog: Dort haust sie in vier Stockwerken eine Bücherei, unzählige Proberäume, zwei Cafeterias (eine milchig, eine fleischig), Duschen, Umziehkabinen, Ballettsäle, Konzerthallen, und, und und...

2002 wurde das Gebäude dann noch um ein weiteres erweitert, und haust jetzt außer der Hochschule (für Universitätsstudenten) auch ein Konservatorium (für Gymnasiasten), und Studentenwohnheime für die künftigen Barenboims und Perlmans, beide ehemalige Studenten dort, sind auch geplant.

Überhaupt liest sich die Liste der Absolventen der "Rubin" wie ein Who-is-Who israelischer Musiker: Allen voran Naomi Shemer, die "Yerushalayim shel Zahav" und unzählige weitere Klassiker geschrieben hat, ist da nur das bekannteste Beispiel.

Außer dem normalen Schulbetrieb organisiert die Rubin-Akademie auch Sommerprogramme und internationale Konferenzen, und macht sicher, dass das ganze Jahr Musik in Jerusalem in der Luft liegt...

Bild und Text: Rosebud

Mehr Bilder gibt es im Fotoalbum (Bilder; Rosebud)

Sonntag, 30. November 2025

Eine Orientalische - und vegane! - Suppe (nicht nur) für die kalte Jahreszeit

 

                                               

                                                        Meluchia - das Gericht der Könige


Meluchia ist ursprünglich ein ägyptisches Gericht, dessen Namen "Königlich" bedeutet. Wahrscheinlich stand es schon auf demSpeiseplan der antiken Pharaonen. Es hat sich aber schon so in Israel eingebürgert, dass man es als israelisches Gericht bezeichnen kann.

Der deutsche Name der Pflanze, aus der Meluchia gemacht wird, ist "langkapselige Jute" - da klingt Meluchia schon viel besser. Aber auch der lateinische Name ist nicht ohne: Chorcurus uliturus. Die Pflanze ist Teil der Familie der Malvengewächse, und im Nahen Osten recht verbreitet.

Die Zubereitung der Meluchia ist sehr mühsam: Jedes der ca. 90 cm. langen Blätter muss per Hand abgetrennt, gewaschen und eigenständig geschnitten und zubereitet werden. Dies stammt daher, dass nur das innere jedes Blatt benutzt werden kann. Danach werden die Blätter zusammen mit Knoblauch und Koriander für einige Stunden lang gekocht. Serviert wird Meluchia meist als Eintopf, zusammen mit Huhn- oder Rindfleisch.
                                                Ein Genuß: Meluchia
                               
Meluchia selbst schmeckt wie eine Mischung aus Okraschote und Spinatblatt, und ist wohl an gesundheitlichen Nutzen kaum zu überbieten. Zwar ist die Dickflüssigkeit anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, ist aber danach umso leckerer.

Na denn: Guten Appetit!

Bilder und Text: Rosebud

Sonntag, 23. November 2025

Lippa Schmelzer, chassidischer "King of Pop"

 

                                                                      Lippa Schmelzer

 Lippa Schmelzer, oft auch chassidischer "King of Pop" genannt, hat eine nicht sehr typische Biographie: Der erst 35-jährige ist Sohn eines ungarischen Holocaustüberlebenden, der auf dem sogenannten "Kastner-Zug" überlebte und nach dem Krieg ein neues Leben anfing, was auch hieß, 12 Kinder in die Welt zu setzen. Trotz dieser schrecklichen Zeit verlor Lippas Vater den Glauben nie, und erzog seine Kinder, die alle in New York geboren wurden, in der chassidischen Welt, in der er vor der Shoah aufwuchs.

Lippa, der nie musikalisches Training erhielt, bewies sich schon sehr früh als Naturtalent, und er gab Konzerte auf Bar-Mitzwahs und auf Hochzeiten, bei denen es rund ging! Chassidische Lebensfreude eben!

Bald zeigte sich, dass er nicht nur traditionelle Klänge von sich geben kann, sondern auch modernen Stil mit traditionellen Themen mischen kann. Und so ist nach seinen inzwischen 10 Alben klar, dass er sich den Namen "chassidische Lady Gaga" (siehe Videoclip) und "chassidischer Elvis" (siehe Videoclip) redlich verdient hat.

Seitdem ist er DER Superstar, nicht nur am chassidischen Musikhimmel, sondern auch am allgemeinen Pop-Himmel - Konzerte gibt er überall von Sao Paolo über China bis natürlich Amerika und Israel. Die Fans geraten bei den Konzerten fast immer in Extase, die den Beatles Konkurrenz machen könnte.

Wie sehr er die verschiedene Welten von Chassidismus, Diaspora und säkularem Israel in sich vereinen kann, zeigt sein wohl bekanntestes Lied - ein richtiger Partyschlager mit dem Titel "Mizrach", das eine Hommage an den "Nachal ha-Charedi" ist, eine Kampfeinheit chassidischer Juden - und Lippa Schmelzer wirft sich mit Armeeuniform selbst in Schale. Siehe hier:

                                                Mizrach: Der chassidische Party-Hit

Wenn Lippa also nach seiner Welt-Tour wieder zurück in die von ihm selbst gebaute Synagoge geht, und zurück zu Frau und vier Kindern, dann wird es viel zu berichten geben...

Bilder: Public Domain
Text: Rosebud

Mehr zu Lippa gibt es auf unserer Facebook-Seite

 

Mittwoch, 19. November 2025

Zeit für Brot צייט פיר ברוט

 Eine Berliner Bäckerei macht Alijah

                                                Zeit für Brot in Tel Aviv

Die erste Auslandsfilie von Zeit für Brot, der für hochqualitative und Bioprodukte bekannten Bäckerei Berlins hat in Tel Aviv aufgemacht, und dabei gleich zwei Neuerungen gebracht: Es ist die einzige koschere Zweigstelle von "Zeit für Brot" weltweit, und in Israel die einzige zertifizierte Bio-Bäckerei in ganz Israel.

Und die Besucher sind hochbegeistert! Spätestens seit Corona, als im Lockdown sitzende Israelis versuchten, deutsches Schwarzbrot selbst zu backen, um sich die Zeit zu vertreiben, gibt es ein riesiges Bedürfnis nach deutschen Bäckereiprodukten. Und jetzt sind sie erfüllt worden.


Wie sagt man eigentlich "Zimtschnecke" auf Hebräisch?


                                             Deutsch und Hebräisch

Außer Brot gibt es auch Bretzen, Kaffee (ein Muß!) und viele süße Bäckereiprodukte. Da ist vor allem die Zimtschnecke ein absoluter Hit! 


Die Zimtschnecke



Nur Tel Aviv

Dirk Steiger, der Gründer von "Zeit für Brot" sagt zu seiner Wahl Tel Aviv in einem Interview mit Falstaff

"Ich könnte mir keinen besseren Standort für einen ersten Auslandsstandort vorstellen. Die Israelis sind offene und aufgeschlossene Menschen, die gutes Essen schätzen und es gibt starke Verbindungen zwischen Tel Aviv und Berlin. Wir wurden zudem aktiv von Israelis angesprochen, ob wir uns die Expansion vorstellen können – und genau das brauchen wir: Ein gutes Management vor Ort, und so kam eines zum anderen."

Aber auch der deutsche Botschafter in Israel, Stefan Seibert, lobt "Zeit für Brot" in großen Tönen (vor allem natürlich die Zimtschnecken)  - und auf Hebräisch! - Hier der Link zu seinem Video.

Fazit: Es wird Zeit - Zeit für Brot!

Zeit für Brot hat die Bäckereikultur in Israel revolutioniert. Jetzt muss keiner mehr nach Deutschland fahren, um zu seinem Kaffee Bio-Vollkornbrot, authentische Breze oder eben eine Zimtschnecke zu genießen. Und koscher ist es auch noch!

Ein Wermutstropfen gibt es trotzdem: Statt "Zimtschnecken" und "Bretzen" auf Hebräisch zu übersetzen, wird es in den Schildern einfach transkribiert, d.h., das deutsche Wort "Zimtschnecke" steht da einfach in Hebräischen Buchstaben, statt dass "Zimt" und "Schnecke" übersetzt wird. Und das gilt auch für den Namen des Ladens - statt "Zman Lechem" steht da in Hebräischen Buchstaben "Zeit für Brot".

Bilder und Text: Rosebud

Mehr dazu gibt es auf unserer Facebook-Seite


Samstag, 8. November 2025

Von "California Love" (Hollywood) zu "House of Lev" (Beth Shemesh)

 


 

                                                 Chawa und Akiwa Hart. Photo by Levi Lehman


"Ich wusste gar nicht, dass es schwarze Juden gibt..."

...sagt Akiwa (ehemals LaDeryll) Hart, der als afroamerikanischer Christ in Detroit aufwuchs, nicht weit entfernt von seiner Frau Chawa (ehemals Daniella). 

Ihr Leben bestand aus Rap-Musik und viel Tanzen und Alkohol in Hip-Hop-Clubs, wo sie sich kennenlernten.

Aber nachdem sie (christlich heirateten), suchten sie nach Bedeutung im Leben - und fanden sie im Judentum, und in den Lehren von Rabbi Nachman!

                                  Vorher              Nachher

Und das kam so: Akiwa Harts Cousin machte eine Einführung zu den "Black Hebrews", die glauben, dass Afro-Amerikaner die "wahren Kinder Israels" sind. 

Das Kaninchen-Loch

                               

Akiwa war sehr skeptisch, und mochte auch den Rassismus der "Black Hebrews" gar nicht, aber kam von dem Gedanken des Judentums nicht los.

"Es schickte mich in das Kaninchen-Loch, wie Alice im Wunderland".

Von Hollywood nach Beit Schemesch


Ein Treffen mit Nissim Black änderte alles - die Harts und ihre Kinder konvertierten 2023 zum Judentum, heirateten nochmals - diesmal jüdisch - und machten Alijah (wanderten nach Israel aus).

                                 Familie Hart mit Kindern

Dort, genauer gesagt, in Beth Shemesh, nehmen sie weiterhin Rap-Musik auf (diesmal aber mit koscherem Inhalt), Akiwa unterrichtet Hip-Hop-Tanz für junge Männer, und sie haben einen Blog und Youtube-Kanal namens House of Lev (Lev heisst Herz auf Hebräisch, ein Wortspiel mit dem Familiennamen "Hart", der so wie "heart", Herz, ausgesprochen wird)

(Als sie Nissim Black mitteilten, dass sie daran denken, Alijah zu machen, sagte er ihnen: "Denkt nicht - macht es!")

Auch haben sie oft Videos zu aktuellen Themen, wie beispielsweise Antisemitismus:


Dazu sagten sie kürzlich: "Die schrecklichen Ereignissen des 7. Oktobers haben uns nur noch mehr motiviert, zu konvertieren und nach Israel zu ziehen! Wir wollten die Schmerzen des jüdischen Volkes teilen, weil wir fühlten, dass es UNS passierte." (Sie konvertierten einen Monat später)

Zum Abschluss etwas Optimistisches: "Wir leben einen Traum - wir gehen auf den Pfaden unserer biblischer Vorväter. Manchmal kneifen wir uns, um sicherzugehen, dass es kein Traum ist - sondern Realität..."

Text: Rosebud
Bilder: Public Domain

Mehr zum Thema gibt es auf unserer Facebook-Seite

Sonntag, 2. November 2025

Ein Orgelbauer in Israel: Gideon Shamir (1939-2025)

 

                                                             Gideon Shamir sel. And


Vor kurzem verstarb, Gideon Shamir, Gründer der einzigen Orgelwerkstatt in Israel. Mehr als die Hälfte seines Lebens widmete er sich dem Bauen von Orgeln in Israel, bevor er im Alter von 82 Jahren die Leitung seiner Werkstatt Uri Shani übergab, der sie bis heute leitet.

Ich brauchte 10 Jahre, um mich selbst als Orgelbauer zu bezeichnen...

...sagte Shamir damals. Aber, fügte er hinzu, ich kann nicht verlangen, dass mein Nachfolger wartet, bis ich 92 Jahre alt werde, um sich selbst Orgelbauer zu nennen.

Gideon Shamir wurde am 9. November 1939 in Tel Aviv geboren. Sein Vater war Max Shamir, einer der beiden „Shamir-Brüder“, berühmte Grafikdesigner, die unter anderem das Emblem des Staates Israel entwarfen. 

Anfangs war er Musiker, und war bereits im zarten Alter von 14 Jahren im israelischen Radio zu hören (er spielte ein Stück von Felix Mendelsson-Bartholdy auf dem Klavier). Später ging er nach England, wo er der Klavierspieler der Synagoge "London Jewish Congregation" war, und an Hohen Feiertagen Orgel spielte:

                                               ein junger Gideon Shamir

Die Liebe zur Orgel sollte ihn sein Leben lang begleiten, auch als er 1963 nach Israel zurückkehrte.
Am letzten Tag des Sechs-Tage-Krieges (1967) heiratete er. Ein Jahr später (1968) baute Gideon Shamir seine erste Orgel.

                                                          1968. Gideon Shamirs erste Orgel. Die erste von vielen.

Die jüdische Orgel

Wenn man an Orgel denkt, denkt man fast immer an Kirchen in Europa. Dies ist aber ein Mythos, eines, das Gideon Shamir sein ganzes Leben lang versuchte zu zerstören, und bis heute tut das auch sein Nachfolger, Uri Shani (der u.a. einen Workshop mit dem Titel "die jüdische Orgel" gibt)

Erst einmal ist die erste dokumentierte Orgel auf fast 300 Jahre vor der Zeitrechnung (also vor dem Jahr, das als Geburtsjahr Christus gilt) dokumentiert, es handelt sich um die "Hydraulis", gebaut von Ktesibios, einem Ingenieur in Alexandrien (Ägypten). Es gab also weder Kirchen noch war das in Europa.

Die Kirche - und DER Komponist von religiösen Fugen für Orgel, Johann Sebastian Bach natürlich - ADOPTIERTEN die Orgel, und machten sie sich zu eigen. Aber sie haben sie weder erfunden, noch waren und sind sie die einzigen, die sie spielen.

So war sie jahrhundertelang Teil von Synagogen und jüdischer Musik in Europa. Die Orgel begleitete jüdische Kantoren und Synagogenchore - und tut es teilweise immer noch. In einem Interview (englische Untertitel) erwähnt Gideon Shamir auch die Synagoge von Bagdad, die eine Orgel hatte.

Und so überrascht es nicht, dass Gideon Shamir als eines seiner ersten Projekte eine Orgel für die große Synagoge in Tel Aviv plante. Leider wurde das Projekt letztendlich nicht realisiert - aber das Modell der geplanten Synagogen-Orgel ist bis heute in der Orgelwerkstatt in Juwalim zu sehen.

                                             Große Synagoge Tel Aviv. Leider ohne Orgel

Don Qixote und Sancho Panza


                                                        Uri Shani                    Gideon Shamir

Bei Gideon Shamirs Beerdigung sagten beide Töchter über ihn (ohne dass sie sich absprachen), dass er eine Art "Don Quixote" war. Gideon Shamir, der sehr schlank und groß war, hatte auf jeden Fall das Aussehen dazu.

Und es auch von der Essenz etwas wahres daran: Er widmete sich sein ganzes Leben einem Handwerk, das immer weniger Menschen ausübten, und noch dazu in einem Land, in dem die Hauptkundschaft (katholische Kirchen) fehlte.

Aber es stimmt auch nicht: Denn Gideon Shamir baute viele und sehr eindrucksvolle Orgeln, u.a. für das Hecht-Auditorium in der Haifa Universität, die Generationen von Musikliebhabern eine schwer zu beschreibende Freude gab. Sein Leben war nicht nur ein endloser Kampf gegen Windmühlen, sondern auch eines, das von vielen Erfolgserlebnissen gekrönt war.

Zudem meinte Uri Shani in einem Radiointerview kürzlich: "Wenn Gideon Don Quixote war - dann macht das ja mich zu Sancha Panza!" Die KI stellt sich das ungefähr so vor:


FAQ 

Last but not least einige oft gefragten Fragen, und Gideon Shamirs schlagfertige Antworten:

- Wieviel kostet es, eine Orgel zu bauen? Sehr viel!
- Wie lange dauert es, eine Orgel zu bauen? Je länger, desto besser!

Und zum Schluß eine Frage an Gideons Nachfolger Uri Shani:
- Was ist ein Register? Und was ist das geheime, zusätzliche Register?

Die Antwort gibt es in der Orgelwerkstatt, benannt nach Gideon Shamir, und geleitet von Uri Shani. Und wahrscheinlich lächelt Gideon Shamir sel. And. von oben herunter, wenn er sieht, wie seine Orgelwerkstatt viele Besucher anzieht, und von ihm gebaute Orgeln ein Stück himmlische Musik auf Erden zeigen.


Text: Rosebud
Bilder: AI (Don Qixote und Sancha Panza), Public Domain (Große Synagoge), alle anderen: Bebilderte Biographie Gideon Shamirs  auf der Webseite von Ugavim

Sonntag, 26. Oktober 2025

20 Jahre ohne ihn: Ephraim Kishon (1924-2005)

 

 


                                                           Ephraim Kishon sel. And.

Hebräisch kann man nicht lernen.


"Hebräisch kann man nicht lernen. Es ist unmoglich! Das weiss ich jetzt nach vielen Jahrzehnten im Lande. Warum ich es trotzdem gelernt habe? Weil ich damals nicht wusste, dass es unmoglich ist..."

Das Zitat ist von DEM israelischen Satiriker schlechthin, von Ephraim Kishon. Ende August hätte er seinen 99. Geburtstag gefeiert...


"Willkommen im Venedig des Nahen Ostens" 


Das ist natürlich aus einem von Kishons bekanntesten Büchern, das er auch selbst verfilmt hat - der Blaumilchkanal. Hier fängt ein aus der Irrenanstalt Entlaufener einfach an, in der Mitte von Tel Aviv ein Loch zu bohren - und jeder denkt, das es natürlich ein ganz offizielles Stadtprojekt ist, bis dann Tel Aviv tatsächlich vom Mittelmeer überschwemmt wird, während der Bürgermeister es als "Venedig des Nahen Ostens" bezeichnet.

Hier zeigt sich Kishon als Satiriker schlechthin, der die Bürokratie des jungen Staaten mit einer kräftigen Portion Humor auf die Schippe nimmt. Herrlich, wie beispielsweise die Anwohner auf der Polizeistation wie bei einer Symphonie den Lärmpegel des Bohrens beschreiben, bis sogar der Polizist mitsingt...

"Hier, nimm diesen geschlossenen Umschlag.
- Aber woher weiss ich dann, wen ich wähle?
- Weisst du nicht. Das ist eine Geheimwahl, daher heisst es ja Demokratie..."

Dieser Austausch ist von Sallah Shabati,Hauptfigur im Film "Sallah – oder: Tausche Tochter gegen Wohnung". Es ist die Szene, wo die politischen Funktionäre versuchen, den Neueinwanderer Sallach zu bestechen - hier die Szene, wo er als "Meinungsmacher" erkoren wird.

Der Film ist inzwischen ein absoluter Kultfilm, der wie kaum ein anderer Themen, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben (orientalische vs. europäische Juden, politische Korruption, Neueinwanderer vs. Sabres, Kibbutzim vs. Stadt, etc.) auf augenzwinkernde Weise thematisiert. Haim Topol, der die Hauptrolle spielt, war nebenbei nur 29 Jahre alt, also halb so alt wie Sallach. Und während er im hebräischen Original mit arabischen Akzent spricht (er ist Einwanderer aus einem arabischen Land wie Marokko oder Irak, im Film wird das Land nicht explizit erwähnt), hat er in der deutschen Synchronfassung ironischerweise einen jiddischen Akzent. Kishon hätte es nicht besser schreiben konnen...

Nebenbei sprach Golda Meir, damals Aussenministerin, 5 Jahre kein Wort mit Kishon oder den Schauspielern - denn im Film wurde gezeigt, wie die KKL (Jewish National Fund) denselben Waldabschnitt unterschiedlichen ausländischen Spendern als deren Spende präsentiert, indem sie das Holzschild x-mal am Tag austauschen. Die Reaktion war eine bedeutsame Reduzierung von Spenden - erst als die KKL Beton- statt Holzschilder aufstellte, ging das Vertrauen wieder zurück.


Seargant Bejarano, ich präsentiere Bo-Bo-Borekas, von meiner lieben Frau Betty zubereitet


Dieses Zitat ist von "The Policeman" (im Original "HaShoter Azulai), ein Film, der liebevoll - mit viel Humor, aber auch viel Gefühl - das Leben eines einsamen, einfach gestrickten Polizisten zeigt. Hier das Lied zum Film.

Text: Rosebud
Bild: Public Domain
Mehr zu Kishon, einschliesslich Ausschnitte seiner Filme, gibt es auf unserer Facebook-Seite

Sonntag, 19. Oktober 2025

Hummus muss es sein!

 

 
                                              "Wisch"-Technik: Hummus

Was wäre Israel ohne seine Nationalspeise?

Und die ist zweifellos Hummus: Hummus ist eine Kichererbsenpastete, die entweder als Pastete,oder - wie hier oben - mit Petersilie, festen Kicherebsen, Olivenöl und Ei serviert werden kann. Es gibt auch die Version mit Bohnen, mit Tehina (Sesam), Hackfleisch und viele weitere Kombinationen.

Hummus ist eine orientalische Spezialität, die aus pürierten Kichererbsen hergestellt wird, zu der je nach Bedarf Sesampaste (Tahina), Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Gewürzen wie Knoblauch und Petersilie hinzugefügt werden..

Hummus ist eine beliebte Vorspeise, die mit dünnem, lappenartigem Fladenbrot aufgestippt und gemeinsam mit anderen Vorspeisen gegessen wird (siehe unten). Es zählt vor allem im Libanon (dem Ort des Ursprunges) und in Israel zur Nationalspeise, ist aber im gesamten Nahen Osten sehr beliebt. 

Wichtig ist hier vor allem die "Wisch"-Technik ("lenagev" auf Hebräisch): Da wird der Hummus mit Pitabrot "aufgewischt". Das sieht dann so aus:
http://www.youtube.com/watch?v=-DDBVVk_39Q

Und was gibt es dazu:
                                               Israelischer Salat
                                           

                                              Falafal

Im Restaurant sieht es dann so aus (Clip ist auf Hebräisch, aber man muss nicht verstehen, was gesagt wird):

http://www.youtube.com/watch?v=gzAEDJLYStQ

Satt geworden? Dann erst einmal einen türkischen Kaffee trinken:

Fotos und Text: Rosebud

Sonntag, 5. Oktober 2025

Israel feiert Sukkoth

 

 

 


 


Die 10 Busstage sind vorbei, und auch das Fasten und um Versöhnung bitten.

Am Montag Abend fängt Sukkot an, das Laubhüttenfest, das eine ganz andere Stimmung beschreibt: Man sitzt eine Woche lang in der Laubhütte, feiert, singt, isst gute Speisen und trinkt guten Wein - und ist vor allem eines: fröhlich. Denn es ist ein religiöses Gebot, in dieser Zeit glücklich zu sein, unbeschwert.

Natürlich hat das Fest - wie die meisten Feste - sowohl eine spirituelle als auch eine landwirtschaftliche Bedeutung, in diesem Fall der Beginn der Regenzeit, auf die man sich in Israel ganz besonders freut - alles grünt und wächst und blüht, ein wahrer Gaumenschmaus für die Augen.

Auch die vier Arten haben sowohl spirituelle als auch landwirtschaftliche Bedeutung - so symbolisieren sie Augen (Myrthen), Mund (Bachweidenzweige), Rückgrat (Palmzweig) und - am wichtigsten - das Herz (Etrog, eine grosse Zitrone). Hier ein Bild des Herzens:

Das Bild ist vom Film "Ushpizin", der zur Zeit von Sukkoth spielt - "Ushpizin" sind die heiligen Gäste, die man sich in die Laubhütte einladen soll. Leider sind im Falle von Moshe Belanga und seiner Frau diese Gäste alles andere als heilig - sie sind nämlich entflohene Straflinge, die Moshe aus seinem früheren, nicht religiösem Leben kennen.

Wie das alles ausgeht, welche Rolle der Etrog spielt, den die beiden da halten, und was es mit der gestohlenen Sukkah auf sich hat - das wird hier nicht verraten. 

 Bis dann: Chag sameach/ fröhliches Sukkot!

Bilder: Public Domain
Text: Rosebud

Sonntag, 28. September 2025

Autofreier Tag: Jom Kippur

 

 

 

 
                                                      Jom Kippur in Israel

Am Mittwoch Abend beginnt in Israel (und der jüdische Welt) Jom Kippur, der höchsten Feiertag des jüdischen Jahres. Er endet Donnerstag Nacht. Es ist dies der "Tag der Versöhnung", ein Tag der in der Synagoge verbracht wird, wo man den ganzen Tag fastet und in sich kehrt, sowie sich den Dialog mit dem Ewigen widmet.

In Israel ist es auch "autofreier Tag": Es hat sich eingebürgert, dass das ganze Land für 25 Stunden Pause macht - Restaurants und Geschäfte sind alle geschlossen, öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht, und - und das ist eine einzigartige Erfahrung! - es hat sich eingebürgert, dass kein einziges Auto fährt. Für die Bevölkerung Israels (und Touristen, die zu dem Zeitpunkt im Lande sind) ist das ein Happening: Kinder fahren überall mit dem Fahrrad, und Menschen gehen fröhlich auf den Autobahnen und den befahrensten Straßen der Städte spazieren. Dabei atmen sie - wie das Umweltministerium jedes Jahr feststellt - eine bis zu 90% weniger verschmutzte Luft ein...

Kurzum: Jom Kippur ist ein Feiertag, den man auf verschiedenste Weise begehen kann, der aber in Israel eine Atmosphäre schafft, die seinesgleichen weltweit sucht.

In diesem Sinne: Gmar Chatima Tova, also ein schöner Abschluss von Jom Kippur!


Bild und Text: Rosebud