Dienstag, 23. Dezember 2025

Fröhliches Weihnachts...ähm, Nittelfest!

 

 

 


                         Weihnachtsbaum oder Schachbrett, das ist hier die Frage!


Morgen, während alle guten Christen zur Mitternachtsmesse gehen und mit der Familie bei einem Festmahl Weihnachten feiern und Geschenke öffnen, sitzt dann jeder vor dem Holzofen und hört sich Großpapas Geschichten an. Und die Straßen sind leer - oder?

Nicht ganz, denn natürlich gibt es sowohl in Europa als auch in Amerika bekanntlich ein paar Minderheiten, die nicht Weihnachten feiern. In Amerika waren das traditionell Juden und Chinesen (also Buddhisten) - und so weiß man sich zu erzählen, dass es eine klassische jüdische Tradition ist, an Weihnachten chinesisch essen zu gehen. Eine weitere Tradition ist es, ins Kino zu gehen - dort trafen sich Juden, Chinesen, Inder und jede nicht-christliche Minderheit, die in Amerika eintraf (und ein paar Atheisten)...

Nittelnacht


Aber noch lange vorher, im Schtetl in Polen, gab es eine andere jüdische Tradition: Das Nittel-Fest. Über die Herkunft des Wortes "Nittel" streiten sich die Forscher. Was klar steht, ist, dass es von chassidischen Juden an Weihnachten gefeiert wurde. Bekanntlich feiern Juden nicht Weihnachten, und so - wohl auch, um sich nicht zu alleingelassen zu fühlen - führten chassidische Rabbiner das Nittel-Fest ein, ein Fest, bei dem man sich ausnahmsweise nicht dem Talmud-Studium widmet, sondern Aktivitäten, zu denen man als religiöser Jude normalerweise nicht die Zeit hat.

Am Bekanntesten hierbei ist das Schachspielen: Man weiß sich zu sagen, dass Chabad-Chassidim bis zum heutigen Tag an Weihnachten/Nittel Schachtourniere durchführen, die oft die ganze Nacht andauern.

In der Nittel-Nacht (so wird Nittel auch genannt), die es bereits seit dem 16. Jahrhundert gab, war das Kartenspielen eine weitere Tradition, mit der sich die jüdischen Gemeinde die Zeit vertrieb, während rundherum aus allen Häusern "Stille Nacht" erklang.

Und so schafften es die jüdischen Gemeinden, auch an dem Tag, an dem sie oft nicht einmal das Haus verlassen durften, viel Freude zu haben.

Heutzutage ist von der Nittel-Tradition wenig erhalten geblieben. Das ist vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass sich die christlich-jüdischen Verhältnisse in den meisten Ländern Europas verbessert haben, und es Juden weder verboten ist, an Weihnachten auf die Straße zu gehen, noch sie sich den ganzen Tag mit dem Talmudstudium beschäftigen, und keine Zeit haben, Schach zu spielen.

In Israel gibt es noch einige chassidische Juden, die ihre Schachtourniere heute abhalten. Und die Christen in Nazareth und Jerusalem feiern natürlich auch weiterhin Weihnachten.

Allen Lesern: Ein frohes Fest heute, was immer es auch sein mag!

Und schon einmal EIN GUTER RUTSCH INS NEUE JAHR

Bilder: Public Domain
Text: Rosebud

Sonntag, 14. Dezember 2025

Chanukkah

 

 
 
Ab heute Abend - und bis nächsten Sonntag am Abend, werden Channukah-Lichtern gezündet. 
Das Fest, das an den Sieg des Makkabäeraufstands gegen die Griechen erinnert, und an die Reinigung des jüdischen Tempels, verbunden mit dem Wunder des Ölkrugs (siehe unten)wird in Israel und der Diaspora für 8 Tage gefeiert. Ein Kurzbericht.


Das Wunder des Öles


An Chanukah wird der Sieg der Makkabäer, einer kleinen jüdischen Rebellionsgruppe, gegen das griechische Imperium gefeiert. Sie konnte den jüdischen Tempel in Jerusalem, der in katastrophalem Zustand und voller griechischer Götzenfiguren war, wieder für sich beanspruchen. Zur Reinigung, die eine Woche dauern würde, benötigten sie allerdings von dem Hohepriester versiegeltes Öl. Sie fanden nur einen Krug, also ein Vorrat für einen Tag. Das Öl reichte aber für 8 Tage – das ist das Channukah-Wunder.

Fest der Lichter

Dieses Wunder wird mit dem Anzünden des 8-armigen Chanukahleuchters gefeiert – jeden Tag wird ein Licht hinzugefügt. Zusätzlich werden fröhliche Lieder gesungen und ölige Speisen gegessen – da es sich um das Wunder des Öls handelte. So gibt es Kartoffelpuffer und natürlich die begehrten Krapfen...
 

Assimilierung oder nicht?

 Denn die Chanukahgeschichte handelt auch von der Assimilation, von den Juden, die sich eher als Griechen denn als Juden sahen.
Es ist die Geschichte jeder Minderheit, die im Spannungsfeld zwischen Ghettoisierung und Assimilation ist. Soll man sich der Mehrheit anpassen? Oder sich ganz von ihr absondern, um seine Kultur auch in der Diaspora aufrecht zu erhalten? Oder gibt es eine goldene Mitte?

FROHLICHES CHANUKAHFEST!

Mehr auf unserer Facebook-Seite.

Sonntag, 7. Dezember 2025

Musik liegt in der Luft (der Heiligen Stadt)

 

 

Schon wenn man sich dem Gebäude der Rubin-Akademie (oder Jerusalem Academy of Music and Dance), die sich neben dem Givat-Ram-Kampus der Hebräischen Universität und der Knesset befindet nähert, dann liegt die Musik förmlich in der Luft: Man hört von draußen Opernsänger ihre Arien erproben, von einem anderen Zimmer die Oud, das Instrument der orientalischen Musik, und beides vermischt sich mit der Klavieruntermalung der Ballettstunde und den Violinisten, die gerade für das Abschlusskonzert proben. Aus all dem ergibt sich eine wunderbare Symphonie zwischen Osten und Westen, die einen einlädt, einzutreten...

So ganz harmonisch waren die Anfänge aber nicht: 1933 wurde die Akademie durch den Geiger Emil Hausner gegründet, Schulleiterin war Jocheved Dostorevsky, eine Pianistin. Die Anzahl der Schüler war klein, Jerusalem hatte andere Probleme, und so blieb die erste Musikhochschule des Landes in ein paar gemieteten Räumen...

Erst 1958, als der amerikanisch-jüdische Philanthrop Samuel Rubin, eine große Spende gab, zog die Musikhochschule, die sich daraufhin "Rubin Academy" nannte, um - und zwar in das Nachbarhaus der Residenz des Premierministers, in Rehavia.

Es sollte bis 1985 dauern, bis die Rubin Akademie in ihr jetziges Gebäude, in Givat Ram umzog: Dort haust sie in vier Stockwerken eine Bücherei, unzählige Proberäume, zwei Cafeterias (eine milchig, eine fleischig), Duschen, Umziehkabinen, Ballettsäle, Konzerthallen, und, und und...

2002 wurde das Gebäude dann noch um ein weiteres erweitert, und haust jetzt außer der Hochschule (für Universitätsstudenten) auch ein Konservatorium (für Gymnasiasten), und Studentenwohnheime für die künftigen Barenboims und Perlmans, beide ehemalige Studenten dort, sind auch geplant.

Überhaupt liest sich die Liste der Absolventen der "Rubin" wie ein Who-is-Who israelischer Musiker: Allen voran Naomi Shemer, die "Yerushalayim shel Zahav" und unzählige weitere Klassiker geschrieben hat, ist da nur das bekannteste Beispiel.

Außer dem normalen Schulbetrieb organisiert die Rubin-Akademie auch Sommerprogramme und internationale Konferenzen, und macht sicher, dass das ganze Jahr Musik in Jerusalem in der Luft liegt...

Bild und Text: Rosebud

Mehr Bilder gibt es im Fotoalbum (Bilder; Rosebud)

Sonntag, 30. November 2025

Eine Orientalische - und vegane! - Suppe (nicht nur) für die kalte Jahreszeit

 

                                               

                                                        Meluchia - das Gericht der Könige


Meluchia ist ursprünglich ein ägyptisches Gericht, dessen Namen "Königlich" bedeutet. Wahrscheinlich stand es schon auf demSpeiseplan der antiken Pharaonen. Es hat sich aber schon so in Israel eingebürgert, dass man es als israelisches Gericht bezeichnen kann.

Der deutsche Name der Pflanze, aus der Meluchia gemacht wird, ist "langkapselige Jute" - da klingt Meluchia schon viel besser. Aber auch der lateinische Name ist nicht ohne: Chorcurus uliturus. Die Pflanze ist Teil der Familie der Malvengewächse, und im Nahen Osten recht verbreitet.

Die Zubereitung der Meluchia ist sehr mühsam: Jedes der ca. 90 cm. langen Blätter muss per Hand abgetrennt, gewaschen und eigenständig geschnitten und zubereitet werden. Dies stammt daher, dass nur das innere jedes Blatt benutzt werden kann. Danach werden die Blätter zusammen mit Knoblauch und Koriander für einige Stunden lang gekocht. Serviert wird Meluchia meist als Eintopf, zusammen mit Huhn- oder Rindfleisch.
                                                Ein Genuß: Meluchia
                               
Meluchia selbst schmeckt wie eine Mischung aus Okraschote und Spinatblatt, und ist wohl an gesundheitlichen Nutzen kaum zu überbieten. Zwar ist die Dickflüssigkeit anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, ist aber danach umso leckerer.

Na denn: Guten Appetit!

Bilder und Text: Rosebud

Sonntag, 23. November 2025

Lippa Schmelzer, chassidischer "King of Pop"

 

                                                                      Lippa Schmelzer

 Lippa Schmelzer, oft auch chassidischer "King of Pop" genannt, hat eine nicht sehr typische Biographie: Der erst 35-jährige ist Sohn eines ungarischen Holocaustüberlebenden, der auf dem sogenannten "Kastner-Zug" überlebte und nach dem Krieg ein neues Leben anfing, was auch hieß, 12 Kinder in die Welt zu setzen. Trotz dieser schrecklichen Zeit verlor Lippas Vater den Glauben nie, und erzog seine Kinder, die alle in New York geboren wurden, in der chassidischen Welt, in der er vor der Shoah aufwuchs.

Lippa, der nie musikalisches Training erhielt, bewies sich schon sehr früh als Naturtalent, und er gab Konzerte auf Bar-Mitzwahs und auf Hochzeiten, bei denen es rund ging! Chassidische Lebensfreude eben!

Bald zeigte sich, dass er nicht nur traditionelle Klänge von sich geben kann, sondern auch modernen Stil mit traditionellen Themen mischen kann. Und so ist nach seinen inzwischen 10 Alben klar, dass er sich den Namen "chassidische Lady Gaga" (siehe Videoclip) und "chassidischer Elvis" (siehe Videoclip) redlich verdient hat.

Seitdem ist er DER Superstar, nicht nur am chassidischen Musikhimmel, sondern auch am allgemeinen Pop-Himmel - Konzerte gibt er überall von Sao Paolo über China bis natürlich Amerika und Israel. Die Fans geraten bei den Konzerten fast immer in Extase, die den Beatles Konkurrenz machen könnte.

Wie sehr er die verschiedene Welten von Chassidismus, Diaspora und säkularem Israel in sich vereinen kann, zeigt sein wohl bekanntestes Lied - ein richtiger Partyschlager mit dem Titel "Mizrach", das eine Hommage an den "Nachal ha-Charedi" ist, eine Kampfeinheit chassidischer Juden - und Lippa Schmelzer wirft sich mit Armeeuniform selbst in Schale. Siehe hier:

                                                Mizrach: Der chassidische Party-Hit

Wenn Lippa also nach seiner Welt-Tour wieder zurück in die von ihm selbst gebaute Synagoge geht, und zurück zu Frau und vier Kindern, dann wird es viel zu berichten geben...

Bilder: Public Domain
Text: Rosebud

Mehr zu Lippa gibt es auf unserer Facebook-Seite

 

Mittwoch, 19. November 2025

Zeit für Brot צייט פיר ברוט

 Eine Berliner Bäckerei macht Alijah

                                                Zeit für Brot in Tel Aviv

Die erste Auslandsfilie von Zeit für Brot, der für hochqualitative und Bioprodukte bekannten Bäckerei Berlins hat in Tel Aviv aufgemacht, und dabei gleich zwei Neuerungen gebracht: Es ist die einzige koschere Zweigstelle von "Zeit für Brot" weltweit, und in Israel die einzige zertifizierte Bio-Bäckerei in ganz Israel.

Und die Besucher sind hochbegeistert! Spätestens seit Corona, als im Lockdown sitzende Israelis versuchten, deutsches Schwarzbrot selbst zu backen, um sich die Zeit zu vertreiben, gibt es ein riesiges Bedürfnis nach deutschen Bäckereiprodukten. Und jetzt sind sie erfüllt worden.


Wie sagt man eigentlich "Zimtschnecke" auf Hebräisch?


                                             Deutsch und Hebräisch

Außer Brot gibt es auch Bretzen, Kaffee (ein Muß!) und viele süße Bäckereiprodukte. Da ist vor allem die Zimtschnecke ein absoluter Hit! 


Die Zimtschnecke



Nur Tel Aviv

Dirk Steiger, der Gründer von "Zeit für Brot" sagt zu seiner Wahl Tel Aviv in einem Interview mit Falstaff: 

"Ich könnte mir keinen besseren Standort für einen ersten Auslandsstandort vorstellen. Die Israelis sind offene und aufgeschlossene Menschen, die gutes Essen schätzen und es gibt starke Verbindungen zwischen Tel Aviv und Berlin. Wir wurden zudem aktiv von Israelis angesprochen, ob wir uns die Expansion vorstellen können – und genau das brauchen wir: Ein gutes Management vor Ort, und so kam eines zum anderen."

Aber auch der deutsche Botschafter in Israel, Stefan Seibert, lobt "Zeit für Brot" in großen Tönen (vor allem natürlich die Zimtschnecken)  - und auf Hebräisch! - Hier der Link zu seinem Video.

Fazit: Es wird Zeit - Zeit für Brot!

Zeit für Brot hat die Bäckereikultur in Israel revolutioniert. Jetzt muss keiner mehr nach Deutschland fahren, um zu seinem Kaffee Bio-Vollkornbrot, authentische Breze oder eben eine Zimtschnecke zu genießen. Und koscher ist es auch noch!

Ein Wermutstropfen gibt es trotzdem: Statt "Zimtschnecken" und "Bretzen" auf Hebräisch zu übersetzen, wird es in den Schildern einfach transkribiert, d.h., das deutsche Wort "Zimtschnecke" steht da einfach in Hebräischen Buchstaben, statt dass "Zimt" und "Schnecke" übersetzt wird. Und das gilt auch für den Namen des Ladens - statt "Zman Lechem" steht da in Hebräischen Buchstaben "Zeit für Brot".

Bilder und Text: Rosebud

Mehr dazu gibt es auf unserer Facebook-Seite


Samstag, 8. November 2025

Von "California Love" (Hollywood) zu "House of Lev" (Beth Shemesh)

 


 

                                                 Chawa und Akiwa Hart. Photo by Levi Lehman


"Ich wusste gar nicht, dass es schwarze Juden gibt..."

...sagt Akiwa (ehemals LaDeryll) Hart, der als afroamerikanischer Christ in Detroit aufwuchs, nicht weit entfernt von seiner Frau Chawa (ehemals Daniella). 

Ihr Leben bestand aus Rap-Musik und viel Tanzen und Alkohol in Hip-Hop-Clubs, wo sie sich kennenlernten.

Aber nachdem sie (christlich heirateten), suchten sie nach Bedeutung im Leben - und fanden sie im Judentum, und in den Lehren von Rabbi Nachman!

                                  Vorher              Nachher

Und das kam so: Akiwa Harts Cousin machte eine Einführung zu den "Black Hebrews", die glauben, dass Afro-Amerikaner die "wahren Kinder Israels" sind. 

Das Kaninchen-Loch

                               

Akiwa war sehr skeptisch, und mochte auch den Rassismus der "Black Hebrews" gar nicht, aber kam von dem Gedanken des Judentums nicht los.

"Es schickte mich in das Kaninchen-Loch, wie Alice im Wunderland".

Von Hollywood nach Beit Schemesch


Ein Treffen mit Nissim Black änderte alles - die Harts und ihre Kinder konvertierten 2023 zum Judentum, heirateten nochmals - diesmal jüdisch - und machten Alijah (wanderten nach Israel aus).

                                 Familie Hart mit Kindern

Dort, genauer gesagt, in Beth Shemesh, nehmen sie weiterhin Rap-Musik auf (diesmal aber mit koscherem Inhalt), Akiwa unterrichtet Hip-Hop-Tanz für junge Männer, und sie haben einen Blog und Youtube-Kanal namens House of Lev (Lev heisst Herz auf Hebräisch, ein Wortspiel mit dem Familiennamen "Hart", der so wie "heart", Herz, ausgesprochen wird)

(Als sie Nissim Black mitteilten, dass sie daran denken, Alijah zu machen, sagte er ihnen: "Denkt nicht - macht es!")

Auch haben sie oft Videos zu aktuellen Themen, wie beispielsweise Antisemitismus:


Dazu sagten sie kürzlich: "Die schrecklichen Ereignissen des 7. Oktobers haben uns nur noch mehr motiviert, zu konvertieren und nach Israel zu ziehen! Wir wollten die Schmerzen des jüdischen Volkes teilen, weil wir fühlten, dass es UNS passierte." (Sie konvertierten einen Monat später)

Zum Abschluss etwas Optimistisches: "Wir leben einen Traum - wir gehen auf den Pfaden unserer biblischer Vorväter. Manchmal kneifen wir uns, um sicherzugehen, dass es kein Traum ist - sondern Realität..."

Text: Rosebud
Bilder: Public Domain

Mehr zum Thema gibt es auf unserer Facebook-Seite